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22. Mai 2010  | Elfriede Schmidt

China

Von Shanghai über Guilin und Xi'an nach Peking

 
| Vergrößern | Der Bauboom geht weiter: Skyline von Shanghai. Foto: Elfriede Schmidt

Glück gehabt. Eine Woche vor dem Vulkanausbruch in Island war unsere zweiwöchige China-Rundreise zu Ende und ein Jumbo-Jet brachte uns mit einem Linien-Direktflug von Peking wieder zurück nach Frankfurt. Noch verlief alles störungsfrei und kein Flugplan war chaotisch. Randvoll mit neuen Eindrücken und mit zwei vollen Speicherkarten der Digitalkamera kehrten wir von diesem Fernost-Trip zurück, der uns einen gewiss nur flüchtigen Eindruck von der Volksrepublik China vermittelte. Fast täglich absolvierten wir drei Besichtigungstermine oder Rundgänge auf der Reiseroute vom Süden nach Norden, von Shanghai nach Suzhou, Hangzhou, Guilin, Xi'an und Peking.

Dem erlebnishungrigen Touristen hat China viel zu bieten. Wirtschaftlich ist das Land eine Großmacht, die jetzt auch den Massentourismus als einträgliches Geschäft entdeckt. Gegenwärtig macht das Land einen gewaltigen Sprung nach vorn. Im Bauboom verschwinden alte Stadtviertel, und quer durch die Landschaft werden neue Bahnlinien auf Stelzen errichtet und Regionen miteinander vernetzt. In Shanghai, aus dessen Skyline der 468 Meter hohe Fernsehturm und der 421 Meter hohe Jin Mao Tower herausragen, prägen mittlerweile dreitausend Hochhäuser das Stadtbild.

Bis zum 31.Oktober findet dort unter dem Motto ,,Better City, better Life" die diesjährige Weltausstellung ,,Expo" statt, für die auf Plakaten mit dem blauen Wassermännchen ,,Haibao" geworben wird. Der chinesische Pavillon auf der Expo ist auf dem Areal der größte. Von weitem wirkt er wie ein quadratischer Altar und wird amtlich als ,,Krone des Ostens", vom Volk aber nur als ,,Das Ding" bezeichnet. Auch während der Expo wird in der 15-Millionen-Metropole fieberhaft gebuddelt und gebaut.

In den Megastädten (größte ist mit 32 Millionen Einwohnern Chongqing) fällt der enorme Verkehr auf, der über ein bizarres Straßengewirr mit über-, unter- und nebeneinander verlaufenden, vier- und sechsspurigen Ein- und Ausfallstraßen gelenkt wird. Ein kärgliches Dasein fristen die Wanderarbeiter in den Containern hinter den Bauzäunen. Die Männer schuften oft auch nachts und wirken mit am Boom, können sich aber von den nur etwa umgerechnet 300 Euro Monatslohn, mit dem sie oftmals den Familienclan unterstützen, kaum ernähren.

Wie knauserig der Staat mit der Bevölkerung mitunter verfährt, zeigt das Beispiel des Bauern Li Cheng, der 1974 dabei war, als man beim Bohren eines Brunnens zufällig in Xi'an auf die Tonkrieger der Terrakotta-Armee im Grabhügel des Kaisers Shi Huang Di stieß. Dreißig Yuan (etwa 3,30 Euro), zehn zusätzliche Lohnpunkte und ein Fahrrad spendierte der Staat seinerzeit jedem der am spektakulären Fund Beteiligten. Heute ist die Tonkrieger-Armee mit ihren vorerst siebentausend ausgegrabenen und restaurierten Figuren eine der größten Touristen-Attraktion Chinas, und Cheng, der im Museumsshop täglich Broschüren signiert, gilt heute als ein gut situierter Mann.

China leidet derzeit unter großer Trockenheit. Eine Schiffstour auf dem Li-Fluss in Guilin galt bisher als eine Attraktion. Normalerweise dauert die Fahrt etwa sechs Stunden und führt durch eine idyllische Landschaft. In diesem Jahr ist das Li-Flussbett aus Wassermangel jedoch sehr schmal, und die Ausflugsboote bei unserer Tour beschränkten sich auf nur zwei Stunden und konnten lediglich eine Fahrrinne benutzen.
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Niedrigwasser: Schiffstour auf dem Li-Fluss in Guilin. Foto: Elfriede SChmidt

Über die Kehrseite des rapiden Wachstums - in den Metropolen wird alte Bausubstanz trotz Protesten abgerissen, und nur ganz Mutige erkämpfen sich beim Staat eine Entschädigung - sieht man hinweg und registriert sie schweigend. Widerstand wäre zwecklos, das kommunistische China hat nicht nur seine Einwohner, sondern auch die Touristenströme fest im Griff.

Auch kulinarisch liegt China im Trend. Das fettarme Essen - die Krönung war am Abschiedsabend die Peking-Ente - der chinesischen Küche enthält viel Gemüse, ist sehr bekömmlich, und überall kann man in den prächtigen buddhistischen Tempelanlagen Abbitte für die Schwelgerei leisten.

Zu Pekings Attraktionen gehört auch das ,,Vogelnest"-Stadion auf dem Olympiagelände, das wir abends zwar nicht mehr besichtigen, aber fotografieren konnten. Vom kaiserlichen Sommerpalast und der Verbotenen Stadt führt in Peking der Weg direkt zum ,,Platz des Himmlischen Friedens", in seinen gigantischen Ausmaßen der größte Platz der Welt. Und immer noch sieht man dort eine sich langsam vorwärts bewegende Menschenmenge, die zum Mausoleum Mao Zedongs pilgert.


 
 
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