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Bunte Traumwelt an den Korallenriffs im Roten Meer. Foto: Magic Life
Ein wenig erinnert die Szene an den Kindergarten. „Jetzt gehen wir alle nach unten und bilden einen Kreis“, sagt Simone. Wir folgen brav und sacken zum Grund des Pools.
Dort halten wir uns an den Händen und absolvieren die ersten Übungen: Die Tauchermaske mit Wasser füllen und das Wasser ausblasen. Daumen und Zeigefinger zu einem Kreis formen, um zu zeigen, dass alles okay ist. Dann dürfen wir hintereinander eine Runde durch das Becken tauchen.
Wir, das sind drei gesetzte Herren mit mehr oder minder deutlichem Bauchansatz, die im Club „Magic Life“ an der ägyptischen Kalawi Bay einen Anfängertauchkurs absolvieren. Simone ist unsere Lehrerin.
Wenn wir etwas gut machen, klatscht sie unter Wasser in die Hände. Wenn sich einer zu weit von der Gruppe entfernt oder auf andere Weise auffällig wird, droht sie spielerisch mit dem Finger. Für die Urlauber, die rings um den Pool auf ihren Liegen sitzen, muss es ein herrlich komisches Bild sein.
Allein schon die Szene, als wir in den knallengen Neopren-Anzügen wie drei wandelnde Würste von der Taucherbasis aus die Szene betraten und uns – mit den Sauerstoffflaschen auf dem Rücken – umständlich in den Pool gleiten ließen.
Simone zeigt viel Geduld, so wie einst die Tanten im Kindergarten. Sie erklärt uns, wie wir durch Knopfdruck Luft in die Weste pumpen und diese mit Hilfe des zweiten Knopfes wieder herauslassen. „Nicht zu lange auf den roten Knopf drücken, sonst geht ihr hoch wie eine Rakete“, warnt sie.
Vor allem die Atemtechnik ist wichtig. „So banal es klingt: Man muss lernen, dass man ausatmen muss“, hat uns Andreas Wyss, Leiter der Tauchschule „Magic Divers“, zuvor bei der theoretischen Einweisung erklärt.
„Wenn der Mensch nur durch den Mund atmet, neigt er dazu, oberflächlich zu atmen, dann steigt der Kohlendioxidspiegel im Blut, was zu Beklemmungen führt.“ Bei uns klappt das Atmen ganz gut.
Auch die Zeichensprache funktioniert. Nach einer weiteren Runde im Pool sind wir reif für den Ernst des Taucherlebens. „Jetzt gehen wir raus“, sagt Simone.
Raus, das bedeutet das Meer. Ein 220 Meter langer Steg führt von der Clubanlage über das flache Wasser bis zur Abbruchkante des Korallenriffs. Das kennen wir schon vom Schnorcheln.
Aber jetzt gilt es, in mehreren Phasen mit Druckausgleich in die Tiefe zu gelangen. Das ist gar nicht so einfach, denn irgendwelche geheimen Kräfte – sind es versteckte Luftblasen in der Weste oder das Fettpolster an der Hüfte? – sorgen trotz der Bleigewichte am Gürtel immer wieder für Auftrieb.
Doch für solche Fälle haben die Betreiber der Tauchschule vorgesorgt. Neben dem Steg befindet sich auf dem Meeresgrund ein weißer Plastikeimer, in dem zusätzliche Gewichte lagern, die man sich bei Bedarf an den Gürtel schnallen kann.
Ein etwas desillusionierender Anblick, ebenso wie die diversen Seile, an denen man sich nach unten hangeln kann. Doch endlich klappt es mit dem Abstieg.
Dominierten oben am Rande des Riffs noch die leuchtend bunten Farben der Korallen, wird es jetzt immer dunkler und geheimnisvoller. Ein Kugelfisch glotzt uns mit seinen Kulleraugen gleichmütig an. Ein blau gepunkteter Rochen schwebt majestätisch vorbei.
Viele Fische sind zum Greifen nah. Sie sind es gewöhnt, dass hier den ganzen Tag über tollpatschige Wesen mit seltsamen Flossen an den Beinen und Flaschen auf dem Rücken vorbeistrampeln.
Gerne würde man jetzt, wo man mit den Geräten halbwegs zurecht kommt, ein wenig allein seine Bahn ziehen. Aber das ist bei einem Anfängerkurs natürlich nicht möglich. Bei Fluchtversuchen droht Simone wieder mit dem Finger oder lenkt die Ausreißer mit der Hand in die gewünschte Richtung.
Mehr als zehn bis zwölf Meter Tiefe erreichen wir bei diesem Kurzausflug nicht. Aber das Erlebnis ist dennoch faszinierend: Einmal von unten nach oben schauen, wo die Schnorchler an der Wasseroberfläche paddeln, einmal mitten zwischen den Fischen sein statt nur über ihnen.
Leider sieht man neben Fischen hier und da auch Zivilisationsmüll, der von Schiffsbesatzungen entsorgt wurde und sich zwischen den Korallen verfangen hat. Mitunter, so erzählt Andreas Wyss, werden die Tauchlehrer zum Müllsammeln ausgeschickt, um die Korallenbänke intakt zu halten.
Welche Auswirkungen der Tourismus auf die Unterwasserwelt hat, ist noch nicht abzusehen. Derzeit leuchtet das mehrere Kilometer lange Riff von Kalawy noch in einer traumhaften Farbenpracht.
An anderen Küstenabschnitten des Roten Meeres, insbesondere bei Sharm el Sheik, sind einige Riffs schon weitgehend zerstört. Das soll hier nicht passieren.
„Wir haben hier keine Rush-Hour bei den Tauchplätzen. Es gibt ja Orte, da sieht man mehr Taucher als Fische“, sagt Wyss und verweist auf den regelmäßigen Riffcheck. „Es ist auch Aufgabe der Tauchlehrer, die Leute für die Umwelt zu sensibilisieren.
Clubmarke Magic Life
Der in Österreich gegründete All-inclusive-Ferienclub „Magic Life“ ist heute eine hundertprozentige TUI-Tochter mit Anlagen am Mittelmeer (Schwerpunkt Türkei) und am Roten Meer.
Die neue Anlage an der Kalawy Bay hat 533 Zimmer, darunter 160 Familienzimmer. Der Transfer vom Flughafen Hurghada dauert etwa 90 Minuten.
Der Club verfügt über eine eigene Tauchbasis der „Magic Divers“, die Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene anbietet. Der „Scubadiver“-Grundkurs kostet 198 Euro.
Weitere Auskünfte in Reisebüros und im Internet unter www.tui.de, www.magiclife.com und www.magicdivers.at.