Von Weitem sieht die Anlage aus wie ein modernes Freizeitbad, das gerade wegen Renovierung geschlossen ist. Vor 500 Jahren waren die seltsam geformten Becken tatsächlich mit Wasser gefüllt, das über ein System von Kanälen hierhergeleitet wurde. Die Yumbas, die zwischen 300 bis zu einer Naturkatastrophe im Jahre 1660 im Nebelwald der Anden lebte, hatten nicht nur einen lustig klingenden Namen, sondern auch eine lustvoll erscheinende Kultur. Offenbar handelte es sich um ein friedliches Indiovolk. „Bei den Ausgrabungen wurden keine Waffen gefunden“, sagt Lilia Miño, die Leiterin des 2007 eröffneten Museums von Tulipe. In dem etwa 90 Kilometer von Ecuadors Hauptstadt Quito entfernten Bergdorf dreht sich seitdem alles um die Yumbas. „Die ganze Dorfgemeinschaft ist in das Projekt eingebunden“, betont Miño. Das Projekt sei auch politisch wichtig: „Die Menschen haben in Ecuador keine gemeinsame Identität entwickelt. Tulipe kann dazu einen Anstoß geben.“ Die Kultur der spanischen Kolonisatoren ist überall präsent, während die Indiokulturen allenfalls in ethnologischen Museen oder bei folkloristischen Veranstaltungen in den Blickpunkt rücken. Illustrationen im Museum geben eine Ahnung davon, welchen Sinn die mit Steinen ausgekleideten Becken hatten. Spaßbäder waren es sicher nicht, eher ging es hier um rituelle Waschungen zu bestimmten jahreszeitlichen Terminen. Ähnlich wie die Inka hatten auch die Yumbas eine gute Kenntnis der Gestirne und konnten Tageszeiten und Jahresverlauf messen. In vieler Hinsicht waren die Indiovölker dabei den europäischen Forschern voraus. Eine französische Expedition hatte 1763 etwa 23 Kilometer nördlich von Quito die vermeintliche Position des Äquators bestimmt. Das nach ihren Messungen angelegte Denkmal „Mitad del Mundo“ („Mitte der Welt“), das man bei der Fahrt nach Tulipe passiert, befindet sich, wie sich jetzt durch GPS nachweisen lässt, am falschen Ort. In der Nähe wurden die Reste eines Indio-Bauwerks entdeckt, das schon vor über 1000 Jahren den exakten Verlauf des Äquators markierte. Quito ist Ausgangspunkt für viele Touren in die Bergwelt der Anden. Jeden Samstag und Sonntag um 8.15 Uhr kann man am Bahnhof von Quito in einen Nostalgiezug steigen und auf der „Route der Vulkane“ zum Naturpark von Boliche fahren. Gemächlich rattert der Zug zunächst durch die Vorstädte von Quito und dann durch grüne Täler. Kühe, Schweine, Schafe und Lamas grasen neben den Gleisen, im Hintergrund sieht man die Vulkane der Anden mit dem Cotopaxi im Mittelpunkt. 1908 wurde die Bahnstrecke von Guayaquil nach Quito eingeweiht, Sie galt als technisches Meisterwerk. „Bevor es den Zug gab, war eine Reise durch Ecuador sehr gefährlich. Viele Leute haben zuvor ihr Testament gemacht,“ erzählt Bahnbegleiterin Carolina. „Der Zug hat eine Verbindung zwischen Küste und Bergregion geschaffen und die Menschen zusammengebracht.“ Heute spielt die Bahn in Ecuador keine praktische Rolle mehr, aber Wochenendausflügler lieben die Fahrt aus der Stadt in die grüne Umgebung. Noch abenteuerlicher ist eine Baumwipfeltour in der Nähe von Miraflores. Die Betreiber von „Tucanopy“ haben auf einem Gelände im Nebelwald nordwestlich von Quito sogenannte „Zip Lines“ installiert. An den Stahlseilen rollen die mit Gurten gesicherten Gäste von Station zu Station und erleben die Natur aus ungewohnter Perspektive. „Das macht Spaß, ist aber zugleich auch ein Stück Umwelterziehung“, sagt die aus Brasilien stammende Forstingenieurin Nina, die das Unternehmen zusammen mit ihrem Mann und dessen Bruder aufgebaut hat. Früher wurde in dem Gebiet Viehzucht betrieben, es gab nur Grasland. Jetzt können die Bäume wieder wild wuchern. Neben den Schwüngen von Baum zu Baum verlockt die Gegend auch zu ausgedehnten Wanderungen.
Ecuador: Die rätselhaften Badebecken der Yumbas
Ecuador – Der Indiostamm, der bis 1660 im Nebelwald der Anden lebte, hat seltsame Bauten hinterlassen, die einst für Kultzwecke genutzt wurden – Bahnfahrt von Quito nach Boliche auf der Route der Vulkane
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