Hey Pardner - irgendwas muss dich doch locken, wenn du ausgerechnet nach Amarillo, Texas fliegst, um die Städte aus den alten Westernhits abzuklappern: Kühe mit langen Hörnern, silberne Sporen an Cowboyboots, der Hauch von Freiheit, den einst der Marlboro-Mann versprühte, bevor er an Lungenkrebs starb. Und ja, Pardner (diese für Texas und die Nachbarstaaten typische Anrede klingt sehr gedehnt), du wirst den Westen finden im Norden von Texas, vorbei an Lubbock bis Dallas. Aber wild und romantisch ist er nicht, und das Cowboyleben wird hier manchmal zur Persiflage seiner selbst.
Im ,,Big Texan" zum Beispiel - dem wohl beliebtesten der unzähligen Steak-Häuser von Amarillo. Die Alten Herren der Bluegrassband mit Stehbass und Fiddle wandern von Tisch zu Tisch, während in der Restauranthalle halbe Kühe auf die Teller kommen. Sie lassen Johnny Cash aufleben und legen gerne ,,Amarillo By Morning" nach, wenn du ihnen einige Dollar in die Karohemden steckst. Der Song kommt von George Strait, der Countrysänger ist hier in. Aber Pardner, frag' hier nicht nach den ,,Dixie Chicks", es sei denn, du bist auf Diskussionen aus. Die Band ist ,,pfui", weil sich Frontfrau Natalie Maines 2003 bei einem Konzert in London dafür schämte, dass Ex-Präsident Georg W. Bush wie sie aus Texas stamme. Da haben konservative Texaner ihre Schallplatten zertreten. ,,Wir haben es den verzogenen Gören bis heute nicht vergessen", verrät Jutta Matalka, Tourismusmanagerin von Amarillo. Sie hat Deutschland schon vor Jahrzehnten verlassen, ist längst eine Südstaaten-Lady.72 Ounces wiegt das mächtigste Rindersteak im ,,Big Texan", das sind satte 2,041 Kilo. ,,Nur für Hungrige", steht in der Karte, für den kleinen Appetit wird gebratene Klapperschlange empfohlen. Wer das Steak in einer Stunde verputzen kann, bekommt den Fleischberg ganz ,,for free" - kostenlos. Nicht wenige konnten die Wette auf ihren Magen schon gewinnen. Aus dem roten Cowboystiefel dürfen sie trinken, so viel sie wollen.Wettess-Kandidaten nehmen auf der Bühne Platz, unter einem Longhorn-Schädel. Texasflagge rechts, Sternenbanner links. Ein Typ mit Sheriffstern moderiert das Schaufressen und startet die Stechuhr. Jeder Bissen wird beäugt. ,,Der da schafft es nicht", verrät Juttas Kennerblick. Der Mann ringt schon nach Minuten mit jedem Bissen, starrt in den Raum, als würden die Hirsch- und Rindertrophäen ihn gleich anspringen. Ob hier schon mancher zum Vegetarier wurde? Man hätte es schwer damit in der Hauptstadt der Steaks, im nördlichen Landzipfel von Texas.Auch wenn es in den quadratischen Straßenzügen von Amarillo, mit seinem mächtige Santa Fe-Building, eher nach Bürostadt riecht: Hier ist das Herz des Viehhandels. Der größte Viehmarkt. ,,28 Prozent des US-Rindfleischs kommen aus Texas,", sagt Jutta. Pardner, willst du Downtown Amarillo entspannt erleben, fahre Sonntagfrüh durch - die reine Geisterstadt. Die Einwohner sind dann in einer der 98 Kirchen von 22 Konfessionen. Die meisten sind Baptisten. Pferdestatuen vor den Gebäuden verraten: Amarillo ist auch Stadt des Quarter Horse: die wendigen Westernpferde dirigieren Rinder wie ein Hütehund. Die Viertelmeile packen sie im Galopp so schnell, dass sie Quarterhorse heißen. Am Quarter Horse Drive residiert der Züchter-Weltverband mit einem Museum der Zucht- und Sportgeschichte.Revolversalven im gestreckten Galopp - Pardner, hier muss dein Westernherz hüpfen! In der riesigen Halle nur ein Block vom Museum fegen Cowboys und -girls zu Pferd durch den Parcours, wie im Flug vorbei an Luftballons an Pflöcken. Mit Revolver oder Unterhebel-Gewehr (meist verallgemeinernd Winchester genannt) feuern sie mit Platzpatronen über die Pferdeohren hinweg, die beste Zeit bei zehn von zehn möglichen Treffern machen den Meister. Zur Weltmeisterschaft in diesem ,,Mounted Shooting" reisen alljährlich 300 Teilnehmer nach Amarillo. Es geht um 20 000 Dollar und einen Truck. Und seit einem Jahr mischen auch Nicola Rahn und Heino Hagge aus Deutschland mit. Auf gestellten Pferden und mit geliehenen Waffen. Zuhause in Boklund loten sie aus, wie man diese Cowboysportart auch in Deutschland betreiben könnte. ,,Das Interesse ist groß", sagt Hagge. In Texas gehört der Colt für viele zum Cowboyhut, wie die Cola zum Burger. ,,Das ist Ranchland, es gibt Klapperschlangen und Coyoten", argumentiert Jutta. Ein geladenes Gewehr dürfe jeder mit sich tragen, der 18 Jahre ist; bei Kurzwaffen gibt es geringe Einschränkungen.


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