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09. Januar 2010  | Von Heike Schmidt

Skifahren in Wyoming

Das Grand Targhee Resort am Rande des Grand Teton Nationalparks

| Vergrößern | Bei Grand Targhee im Westen des US-Bundesstaates Wyoming fallen im Winter im Schnitt 13 Meter Schnee. Foto: Grand Targhee Resort

Einen Schnorchel soll man mitbringen - zum Skifahren! Das muss ja wohl ein Witz sein. Aber Brigid Sinram nickt ernsthaft. Die junge Frau ist in Grand Targhee im Nordwesten des US-Bundesstaates Wyoming für den täglichen Schneebericht zuständig. Von bodenlosem Tiefschnee nach legendären Winterstürmen schwärmt sie, ungewalzt und pulverleicht, der wie eine Bugwelle voranfließt, in meterhohen Wogen aufstiebt und wie Gischt ins Gesicht spritzt: ,,Wart's nur ab, bis Du in unsere Powder Reserve eintauchst!"

An diesem Tag segeln zwar nur rosa Schäfchenwolken über den Abendhimmel. Doch pro Jahr fallen im Schnitt rekordverdächtige 13 Meter Schnee auf den kleinen Wintersportort an der Westflanke der zerklüfteten Teton-Berge. Der berühmte Skiort Jackson Hole mit seinen Schlangen an den Liften und dem Après-Ski-Rummel, Freestyle-Fanatikern und Promi-Gästen liegt gleich auf der anderen Seite. Er ist eine knappe Autostunde nah und doch eine halbe Welt entfernt.

Genau 96 Gästezimmer gibt es in Grand Targhee, drei Speiselokale, eine Kneipe, ein Gemischtwarenlädchen und ganze fünf Lifte, wenn das ,,Zauberteppich"-Förderband für die Skischul-Knirpse großzügig mitgerechnet wird. Einen Pistenplan sollten Gäste dennoch einstecken: Weil das kleine Skigebiet zwei Gipfel mit den dazugehörigen Felsnasen und Gebirgskämmen verknüpft, fühlt es sich weitläufiger an, als die rund 70 gekennzeichneten Abfahrten vermuten lassen. ,,The Good", ,,The Bad" and ,,The Ugly" heißen die zum Beispiel: drei schwierig zu fahrende, schwarz gekennzeichnete Scharten, die in den ,,East Woods" münden.

Wyoming ist Wilder Westen. Dies war das Zuhause von Shoshonen und Schwarzfuß-Indianern, und nach dem Häuptling Targhee ist das Resort benannt worden. Einen starken Charakter soll er gehabt haben, und friedliebend soll er gewesen sein. Der Name passt gut: Grand Targhee ist originell, ruhig und gemütlich. Hier werden Mehrtages-Skipässe noch per Lochzange abgeknipst. Die Stockbetten in den drei schlichten Lodges erinnern an charmante Jugendherbergen. Nach Liftschluss schnüffeln Rotfüchse auf Beutezug durch die Talstation. Und zum knallrotem Skianorak werden gern ausgebeulte Cowboyhüte getragen.

So hält es auch Leon Weston. ,,Slim", wie ihn alle nennen, ist seit der Resorteröffnung 1969 dabei. Im Sommer züchtet er Brahmanenbullen für das Rodeo in Las Vegas, im Winter fährt der Großvater Snowboard und checkt die Skipässe. 25 Dollar Kopfgeld gibt's pro Schwarzfahrer, ,,fünf habe ich in dieser Saison schon erwischt".

Wer aus dem höchsten Lift, dem Dreamcatcher-Vierersessel, steigt und der ,,Teton Vista Traverse" folgt, empfindet die Viertausender nur eine kurze Steilpiste entfernt wie zum Greifen nah. Selbst vom Grand Teton Nationalpark aus hat man nicht so eine Sicht. ,,So müssen Berge aussehen", fand schon US-Präsident Teddy Roosevelt im frühen 20. Jahrhundert. Frankophone Trapper fühlten sich eher an weibliche Formen erinnert - sicher war monatelange Einsamkeit Schuld. Tétons ist das französische Wort für Brust.

Trotz der pikanten Namensgebung, den glitzernden Gletschern, kristallklaren Seen und donnernden Wasserfällen lassen die meisten Durchreisenden den Teton Park aber links liegen. Die geologische Wunderwelt von Yellowstone, wo Geysire zischen und Schlammlöcher blubbern, ist ja nur ein paar Meilen auf den Highway 191 entfernt. ,,Wir sind Yellowstones kleine Schwester", sagt die Rangerin Kristen Dragoo. Sie leitet Schneeschuhtouren durch den Park und freut sich über kleine Gruppen - ,,manchmal sehen wir Hermeline vorbeihuschen".

Dichter Wald umschließt das Skigebiet. Alta, das nächste Dorf mit 469 Einwohnern, liegt 20 Kilometer weiter im Westen, die kurvige ,,Ski Hill Road" herunter. Nur Urlauber wohnen hier oben. Doch das soll sich künftig ändern. Denn das Resort gehört nicht mehr einem Club von Skifreunden aus dem benachbarten ,,Kartoffelstaat" Idaho, sondern George Gillett jr. Der Milliardär aus Colorado besaß zeitweise auch den Skiriesen Vail in seinem Heimatstaat.

An diesem Morgen wühlen sich auf dem ,,Snowcat Terrain" von Peaked Mountain aber nur umgebaute ,,Schneekatzen" die ,,Powder Reserve" herauf. Die Gäste sind mit Skiführer Dana Stillson unterwegs. Eine Fliegerbrille und ein vereister Schnurrbart sind seine Markenzeichen, dazu ein Paar ,,Fat Ski". Die sind breiter und kürzer als normale Bretter, ,,damit schwimmst Du im Tiefschnee oben".

Einen Lawinenpiepser hat Dana im Rucksack. Ein Schnorchel dagegen ist nirgendwo zu entdecken. Selbst im vielversprechenden ,,Snorkels Café", wo ein lebensgroßes Farbfoto von einem Schnorchel-tragenden Skifahrer die Wände ziert, war am Abend vorher keiner zu kriegen. Vielleicht lässt man den extra dicken Strohhalm, für alle Fälle mitgenommen, jetzt doch lieber in der Jackentasche?

Auskünfte:

Anreise zum Jackson Hole Airport, der über Chicago von United Airlines angeflogen wird. Von dort gibt es einen Shuttle-Service zum Grand Targhee Resort. Prospekte und weitere Informationen bekommt man bei Wyoming Tourism/Rocky Mountain International, c/o Wiechmann Tourism Service, Scheidswaldstraße 73, 60385 Frankfurt , Telefon 069 25538230, E-Mail: info@wiechmann.de. Weitere Hinweise im Internet unter www.grandtarghee.com, www.wyomingtourism.org und www.rmi-realamerica.de.


 
 
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