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27. März 2010  | Von Norbert Bartnik

Radfahren in New York

New York: Bei einer Radtour zwischen Hudson und East River erlebt man die Stadt aus neuer Perspektive

 
| Vergrößern | Auf der Brooklyn Bridge: Einer der Höhepunkte der Radtour. Foto: Norbert Bartnik

Diese Idee ist total bescheuert, haben Bekannte gesagt. Da gibt es sicher einfachere Methoden, um sich umzubringen. Die Rede ist von dem Plan, Manhattan mit dem Fahrrad zu erkunden. Ausgerechnet das Zentrum New Yorks, in dem es von Autos wimmelt und wo auf so etwas Exotisches wie Radfahrer garantiert keine Rücksicht genommen wird.

In den achtziger und neunziger Jahren wäre so ein Vorhaben tatsächlich nicht nur absurd, sondern auch lebensgefährlich gewesen. Aber seither hat sich in der Metropole viel getan. Wochentags sieht man Angestellte mit Anzug und Krawatte, die an den Staus vorbei in ihre Büros radeln. Und nach Feierabend und am Wochenende sind unzählige New Yorker mit dem Rad am Hudson und am East River unterwegs. In den Uferzonen gibt es inzwischen ein fast komplett ausgebautes Radwegnetz, so dass man Manhattan auf dem ,,Greenway" locker umrunden kann.

Der Centralpark war schon immer ein Zentrum für Outdooraktivitäten, nicht nur für Jogger, Walker und Skater, sondern auch für Radfahrer. Eine kleine Runde im Grünen ist ein guter Einstieg für die Tour. Durch die Upper West Side soll es dann Richtung Hudson River gehen. Die Straße ist verstopft, es gibt kaum ein Durchkommen - es sei denn, man nimmt sich die einheimischen Radfahrer als Vorbild, die locker mal links, mal rechts an den Autoschlangen vorbeizischen, auch mal den Bürgersteig benutzen und an Stellen, in denen ohnehin alles steht, auch mal eine rote Ampel ignorieren. Allmählich wächst so das Selbstbewusstsein. Und überrascht stellt man fest, dass die New Yorker Autofahrer gar nicht so hektisch und aggressiv sind, wie man ihnen nachsagt. Oft wird den Radfahrern viel Platz gelassen, damit sie besser durchkommen.

Rasch ist der Riverside Park erreicht, von dort geht es auf dem ,,Greenway " am Hudson River entlang Richtung Downtown Manhattan. Am Ufer gibt es mehrere Ausflugslokale, in denen man verweilen kann, um den Blick über den Fluss streifen zu lassen, wo die Boote der Circle Line ihre Bahn ziehen. An Pier 84 ist einer der Standorte von ,,Bike and Roll". Hier kann man Räder ausleihen, Touren buchen und sich mit Infomaterial und isotonischen Durstlöschern aller Art eindecken.

Der Radweg wird nun mehrspurig und weist sogar einen Mittelstreifen auf - Ordnung muss sein. Am Battery Park ist die Südspitze der Halbinsel erreicht, Zeit für eine kleine Rast mit Blick auf die Freiheitsstatue. Weiter geht es zum South Street Seaport am East River, heute ein quirliges Unterhaltungszentrum mit Restaurants, Bars und Live-Musik. Hier kommt schon die Brooklyn Bridge ins Blickfeld: Einmal mit dem Rad über diese magische Brücke zu fahren, darf man sich nicht entgehen lassen, auch wenn ein kleiner Umweg nötig ist, um auf die Brückenrampe zu kommen. Dafür wird man mit fantastischen Blicken auf die Skyline von Manhattan belohnt. Auf der anderen Seite des East River folgt eine Rundfahrt durch die Brooklyn Heights, gekrönt von einem Besuch in der ,,Ice Cream Factory", die für ihre kühlen Köstlichkeiten berühmt ist, dann geht es über die Brücke zurück nach Manhattan.

Am East River ist der ,,Greenway" noch nicht vollkommen ausgebaut. In Höhe des Gebäudes der ,,Vereinten Nationen" gibt es kein Durchkommen am Fluss, also ist ein kleiner Umweg entlang der First Avenue nötig, bis man in Höhe der East 59th Street wieder ans ruhige Flussufer gelangt. Wer jetzt schon genug hat, fährt dann durch die Upper East Side zurück zum Ausgangspunkt im Central Park.
| Vergrößern |
Ordnung muss ein: Mehrspuriger „Greenway“ am Hudson River.

Die weniger bekannten Seiten der Stadt entdeckt man jedoch erst, wenn man jetzt weiter Richtung Norden fährt. Allerdings mangelt es hier noch an Beschilderungen, das Radwegnetz ist erst am Entstehen. So empfiehlt das Stadtmagazin ,,Time Out" die Weiterfahrt nur denjenigen, die über ,,städtischen Pioniergeist verfügen" und bereit sind, das eine odere andere Verbotsschild zu missachten (,,Ride on the sidewalk, but look out for cops"). Am Harlem River entlang fährt man mal auf Radwegen, mal am Rande der Straße bis hoch zum Inwood Hill Park, einer grünen Idylle am Stadtrand, wo man wieder am Hudson River angekommen ist. Von dort geht es auf gut ausgebauten Radwegen Richtung Süden.

Das Reizvolle an dieser Tour ist freilich nicht nur das bloße Radeln an der Wasserfront. Immer mal wieder kann man kleine Abstecher ins Innenleben der Stadt unternehmen. Da kann man zum Beispiel inmitten eines riesigen grauen Wohnblocks in Harlem den Basketballspielern zusehen, gerät in einem kleinen Park in Chinatown unversehens in ein chinesisches Fest hinein, um sich wenig später in einem politischen Umzug wiederzufinden. So nah an New York kommt man bei organisierten Touren nicht heran, erst recht nicht, wenn man dabei in Autos oder Bussen sitzt.

Wie es der Zufall will, werden im Central Park an diesem Tag die ökologischen Vorzüge des Radfahrens demonstriert. Eine Gruppe von Aktivisten tritt kräftig in die Pedale und liefert damit die Energie für die Verstärker einer Rockband.


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Rock mit Rad: Konzert im Central Park – Radfahrer liefern dafür die Energie.

 
 
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