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30. Dezember 2011  | Von Simone Andrea Mayer

Kuba: Rollendes Museum in den Straßen von Havanna

Reise – Zwar ist der Handel mit Neuwagen in Kuba inzwischen erlaubt, aber die Straßenkreuzer sind immer noch im Dienst

| Vergrößern | Schmucke Oldtimertaxis vor dem Capitolio, dem Parlamentsgebäude von Havanna. Foto: Simone Andrea Mayer

Das alte Blech scheppert, als der Motor startet. Der Auspuff hustet eine blaue Dunstwolke aus, der Cheyenne, Baujahr 1957, mit Taxifahrer Jorge und den zwei Fahrgästen rumpelt los. Das Vibrieren der Maschine grabbelt wie eine Massage die Fußsohlen entlang.
Die Fahrt in einem Oldtimertaxi durch Havanna ist eine ruppige Sache. Durch die Fenster dringt der Duft der Stadt herein: Benzin und Abgase, welche die Chevrolets, Cheyennes, Cadillacs und Dodges ausstoßen. Bis vor Kurzem waren die meisten Autos und Taxen auf Kuba mindestens 20 Jahre alt – entweder kantige Ladas, ausrangiert in der Sowjetunion und wiederbelebt auf der Insel, oder vorrevolutionäre US-Straßenkreuzer. Doch nachdem der Handel mit Neuwagen gut ein halbes Jahrhundert verboten war, ist er seit September 2011 wieder erlaubt.
Das Straßenbild verändert sich dadurch. Hier und da sieht man schon französische und spanische Importe. Doch noch immer dominieren die 50 Jahre alten Straßenkreuzer das Stadtbild – sie sind die Alltagsvehikel der Kubaner und die Taxen mit dem besonderem Flair. Man kann sie am Straßenrand anhalten oder sich etwa am Capitolio in Havanna, dem Parlamentsgebäude, das hübscheste aus der langen Reihe wartender Karossen auswählen. Für wenig Geld chauffieren die Fahrer Urlauber durch die Stadt - praktische Tipps inklusive.
Außen sind die Oldtimer auf Hochglanz poliert, ihr Inneres jagt ängstlichen Mitteleuropäern einen Schrecken ein. Gute Pflege macht den Mangel an Ersatzteilen in dem sozialistischen Land nach vielen Jahren US-Embargo nicht wett. Bei Jorge funktioniert die Geschwindigkeitsanzeige nicht. Aber der Gast sitzt bequem und betrachtet entspannt das vorbeiziehende Havanna. Umgerechnet zehn Euro kostet die einstündige Tour, für 30 Euro wird man im Cabrio herumchauffiert. Handeln kann man immer.
In Santiago de Cuba lohnt sich der Weg zum nächstgelegenen Strand, der Playa Siboney. Gut 30 Minuten lang rattert der Straßenkreuzer raus aus der Stadt, vorbei an Bananenplantagen und Bauernhäusern. „Jeder Fahrer holt die Touristen hier zuverlässig zur vereinbarten Stunde wieder ab“, verspricht Fahrer Gadiel – und hält Wort. Bezahlt werden will er erst nach der Rückkehr in die Stadt.
In Kuba fährt man selten alleine Taxi: Plötzlich lenkt Gadiel seine Limousine an den Straßenrand, und Mariza springt herein. „Hola!“, Küsschen auf die Wange, auch für die verdutzten Touristen, viva Cuba!

 
 
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