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08. Mai 2010  | Von Nikolai Bartnik

Floridas Golfküste zwischen Tarpon Springs und St. Petersburg

Florida: An der Golfküste zwischen Tarpon Springs und St. Petersburg geht es wesentlich beschaulicher zu als im hektischen Miami - Internationales Jazz-Festival in Clearwater

 
| Vergrößern | Ganz in Weiß: Die Strände an der Westküste Floridas – hier in Clearwater – stehen auf der Hitlisten der amerikanischen Strandtester immer weit oben. Fotos: Nikolai Bartnik


Auch in der amerikanischen Kunststoffwelt gibt es ein paar Nischen für Naturprodukte. Zum Beispiel für Schwämme. In Tarpon Springs an der Golfküste von Florida werden sie wie in alten Zeiten aus dem Meer geholt. Es waren griechische Einwanderer, die diese Tradition Anfang des 20. Jahrhunderts in die USA mitbrachten. Noch heute existiert in Tarpon Springs eine griechische Kolonie. Und noch immer genießen die Schwammtaucher hohes Ansehen.

George Billiris (81) war einer von ihnen, später handelte er mit den Zuchtschwämmen. Durch eine Algenpest wurde ein großer Teil der Kulturen zerstört, aber einige Bewohner von Tarpon Springs leben auch heute noch von den Gebilden aus dem Meer. . ,,Das Geschäft läuft gut", erzählt Billiris. ,,Unsere Schwämme werden bis nach Europa geliefert." Und weil die Bio-Welle auch durch die USA schwappt, sind die Naturschwämme sehr begehrt, obwohl sie teurer sind als die bunten Produkte aus der Fabrik.

Mittlerweile nutzen die Griechen ihr außergewöhnliches Geschäft auch, um Touristen in den kleinen Ort zu locken. Zahlreiche Lokale mit mediterranem Ambiente und griechischer Küche laden zum Besuch ein. Als besondere Events gelten die Bootstouren, die mehrmals täglich stattfinden. Dabei kann man miterleben, wie sich ein junger Mann in schwerer Montur aus der Frühzeit des Tauchens ins Wasser stürzt, um einen Schwamm vom Meeresboden aufzusammeln. Zwar kann bezweifelt werden, dass es so nah an der Küste noch Schwammkulturen gibt, aber es geht ja um die Show. Die Passagiere warten gespannt darauf, dass der Taucher wieder aufsteigt. Dann schießt er endlich an die Wasseroberfläche und präsentiert triumphierend einen Schwamm, den er angeblich gerade auf dem Meeresgrund gefunden hat. Kameras klicken und das Publikum auf dem Boot applaudiert. Und so mancher nimmt anschließend einen Naturschwamm mit nach Hause.

Auch in dem südlich von St. Petersburg gelegenen Gulfport geht es eher beschaulich zu. Es gibt keine protzigen Hotels, keine Hochhäuser und nur wenig Fast-Food-Lokale. Kein Gebäude ist hier höher als die Kirche. Die Atmosphäre erinnert an eine Siedlung in der Toskana oder in Südfrankreich. Zahlreiche Künstler haben sich hier niedergelassen. Zweimal im Monat ist in Gulfport der so genannte Artwalk. Lichterketten führen durch die Straßen zu den Ateliers, in denen man Künstlern und Kunsthandwerkern bei der Arbeit zuschauen kann.

Den Besitzer der Wein- und Tapas-Bar ,,Bellini's" hat es vom Rheinland nach Gulfport verschlagen. ,,Ich kam in die USA und wusste nicht, wo ich anfangen sollte! Ich habe mir dann einfach ein Auto gemietet und bin die komplette Küste Floridas entlang gefahren", erzählt er. Schließlich entschied er sich für den Westen des Sonnenstaates. Heute zählt sein Lokal zu den angesagtesten Plätzen in Gulfport. ,,In Amerika muss immer alles groß und protzig sein, da haben es kleine Lokale normalerweise ziemlich schwer. Aber bei uns läuft es gut." Nach der Finanzkrise, bei der die Folgen der wirtschaftlichen Großmannssucht offenkundig wurden, findet der Slogan ,,Small is beautiful" mehr Anklang.
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Wie vor hundert Jahren: Für die Touristen geht der Schwammtaucher in Tarpon Springs in historischer Montur auf Beutezug.

Klein ist auch die Bühne im ,,Bellini's", auf der regelmäßig Jazzbands auftreten. Die gesamte Region ist ein Mekka für Anhänger dieser Musikrichtung. Höhepunkt ist das alljährlich im Oktober veranstaltete Open-Air-Jazz-Festival in Clearwater. Legendäre Musiker wie Woody Herman, Dizzy Gillespie, Herbie Mann, Dave Brubeck, Stan Getz und das Count Basie Orchester haben hier schon gespielt, und auch im einunddreißigsten Jahr seines Bestehens setzt das viertägige Festival immer noch neue Akzente.

Ein weiteres Muss für Kulturfreunde ist ein Besuch im Salvador-Dalí-Museum in St. Petersburg. Die Sammlung gilt als die größte der Welt außerhalb von Spanien. Sie ist so groß, dass die Bilder bisher zwei bis drei Mal im Jahr ausgewechselt werden mussten, weil der Platz nicht ausreichte, um alle gleichzeitig zu präsentieren. Derzeit wird für 35 Millionen Dollar ein neues Gebäude errichtet, in dem alle Arbeiten gezeigt werden können. Das surreal anmutende Design des Neubaus, der im Frühjahr 2011 eröffnet werden soll, passt ideal zu den Werken des Künstlers, zugleich bietet er eine höhere Stabilität. ,,Bisher mussten wir bei Sturmgefahr alle Bilder in Sicherheit bringen", erzählt Museumsführerin Katherine. ,,Wir können keine Hurrican-Warnung unterschätzen, daher ist ein neueres sicheres Museum unbedingt nötig."

Trotz der vielen kulturellen Reize kommen die meisten Urlauber zum Badeurlaub in die Tampa Bay Area. Die örtlichen Strände mit ihrem weißen Sand sind alljährlich auf den Hitlisten der amerikanischen Strandtester zu finden. Besonders reizvoll und weitgehend naturbelassen sind der Caladesi Island State Park und der Fort De Soto Park, deren Strände schon mehrfach die Auszeichnung ,,America's Top Beach" bekamen.

Bei Bootsausflügen kann man nicht nur Delfine, sondern mit etwas Glück auch Seekühe, die Manatees, beobachten. Captain Barry steuert seit vielen Jahren eine Jacht durch die Gewässer rund um Clearwater, um den Besuchern die Meeresbewohner zu zeigen. Ursprünglich stammt er aus Miami, doch ihn zog es bald in den Westen Floridas. Er schätzt hier nicht nur die Landschaft, sondern auch den entspannten Lebensstil: ,,Wir Seeleute vergleichen die Menschen gerne mit dem Meer. An der Ostküste ist die See stürmisch und rau - und auch die Menschen sind hektisch und unfreundlicher. Im Westen Floridas ist das Meer meist ruhig. Hier herrscht das Lebensmotto: Relax and take it easy. Das gefällt mir!"

Tipps für St. Petersburg und Clearwater:
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Mit eigenen Bootsanlegern säumen die Waterfront von St. Petersburg und Clearwater. Aber auch hier sind die Folgen der Immobilienkrise sichtbar. Viele Anwesen stehen derzeit zum Verkauf. Foto: Norbert Bartnik

Der Flughafen von Tampa wird von allen großen internationalen Airlines angeflogen.
Im Internetportal www.visitstpeteclearwater.com gibt es Informationen über Urlaub an der Golfküste Floridas zwischen St. Petersburg und Clearwater - auch in deutscher Sprache. Dazu gehören auch ein Unterkunftsverzeichnis, Karten und Restauranttipps.
Im Tarpon Springs Heritage Museum (100 Beekman Lane) ist eine Ausstellung über die griechische Community und die Tradition des Schwammtauchens zu sehen, Informationen unter www.tarponarts.org/info_venues_heritage.html.

Im Spongeorama in Tarpon Springs (www.spongeorama.com) kann man einen Film über das Schwammtauchen sehen, Bootstouren buchen und natürlich auch Schwämme kaufen.

Das Clearwater Jazz Holiday Festival ist in diesem Jahr vom 14. bis 17. Oktober, Informationen im Internet unter www.clearwaterjazz.com.

Das Salvador Dalí Museum (1000 Third Street S, St. Petersburg) ist Montag, Dienstag, Mittwoch, Freitag und Samstag von 10 bis 17.30 Uhr, Donnerstag von 10 bis 20 Uhr und Sonntag von 12 bis 17.30 Uhr geöffnet, weitere Informationen unter www.salvadordalimuseum.org



 
 
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