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04. Dezember 2010  | 

Colorado

Telluride liegt zwar fern der Nobelorte Aspen und Vail, lockt aber mit einem der größten und abwechslungsreichsten Skigebiete des Bundesstaates

 
| Vergrößern | Alter Goldgräberort: Die Häuser an der Hauptstraße von Telluride haben noch den Charme alter Zeiten. Ansonsten dominiert hier der moderne Skibetrieb. Fotos: Martin Hesse

Zerklüftete Landschaften, tiefe Canyons und hohe Berge; das ist Colorado. Die meisten Skiurlauber, die hierher kommen, verbringen ihren Urlaub in den bekannten Nobelorten Aspen, Vail oder Steamboat Springs. Wer jedoch das richtige Ski-Abenteuer sucht, der sollte die Reise in den Südwesten des höchstgelegenen Staates der USA in Angriff nehmen, denn tief in den San Juan Mountains liegt mit Telluride eines der schönsten Skigebiete und die älteste Heliski-Basis Colorados.

Montrose dürfte nur wenigen Skifahrern ein Begriff sein. Der Regionalflughafen dient in den Sommermonaten dazu, diesen abgelegenen Teil Colorados mit der Wirtschaftsmetropole Denver zu verbinden. Im Winter bildet er das Tor zu den Skigebieten der San Juan Mountains. Schon in der Empfangshalle wird deutlich, dass die Bewohner des Südwestens es lieben, ihre Identität zu bewahren. Cowboyhut und Lederstiefel sind Teil dieses Lebensgefühls und vermitteln Neuankömmlingen den Eindruck, als seien die meisten Wartenden eben erst vom Pferd gestiegen.

Etwa eine Stunde dauert die Autofahrt durch den Canyon des San Miguel Rivers nach Telluride. Das Capella Hotel liegt im neuen Ortsteil Telluride Mountainvillage in fast 3000 Metern Höhe. Die Pisten des Skiresorts beginnen direkt vor der Haustür. Das in den USA gerne propagierte Konzept »Ski in, Ski Out« bekommt hier eine neue Dimension. Das Skidepot ist nicht etwa ein einfacher Skikeller mit Schuhtrocknung, sondern ein richtiges Service-Center. Während ein Mitarbeiter die vorgewärmten Schuhe aus dem Regal holt, kümmert sich ein zweiter bereits darum, die Ski des Gastes zum Einstieg bereit am Pistenrand zu platzieren. Nur einsteigen in die Bindungen muss man selbst.

Mit 18 Liften und einem potenziellen »Vertical Drop« (Höhenunterschied) von fast 1400 Metern gehört das Skigebiet von Telluride zu den größten und vor allem anspruchsvollsten Gebieten Colorados. Die Zeit des Massentourismus scheint trotz der Errichtung des Mountainvillage zu Beginn des neuen Jahrtausends noch immer nicht richtig begonnen zu haben. Mit dem Village Express Highspeed-Sessellift geht es hinauf. Zum Einfahren ist die große Auswahl an breiten Pisten in diesem Teil des Skigebietes genau das Richtige.

Die meisten Skifahrer bleiben hier aber nicht auf den Pisten. Für sie ist der »Champagne Powder«, wie die Amerikaner den trockenen Pulverschnee nennen, das wahre Objekt der Begierde, und diesen findet man am ehesten auf einem der zahlreichen unpräparierten »Double Black Diamond Runs«, die in die Kessel des Skigebietes hinab führen.

Höchster Punkt und Hauptspielplatz aller Variantenfahrer und Freerider ist mit 4060 Metern der Palmyra Peak. Die schönsten Hänge muss man sich allerdings durch einen fünfundvierzigminütigen Aufstieg noch körperlich erarbeiten. Immer wieder zwingt einen die Höhe dazu, auf dem Weg zum Gipfel anzuhalten und tief Luft zu holen. Der Ausblick vom Palmyra Peak ist beeindruckend. Kein anderer Bezirk Colorados verfügt auch nur annähernd über solch eine Dichte an Vierzehntausendern (Berge mit einer Höhe von über vierzehntausend Fuß oder 4267 Metern) wie das San Miguel County. Die steilen Rinnen hinunter in den viel gerühmten Prospect Bowl haben es in sich. Eine gewisse Überwindung ist durchaus gefordert. Sobald man aber die ersten Meter überwunden hat, lässt sich das Glücksgefühl kaum mehr beschreiben. Bei jedem Schwung spritzt der Pulverschnee am Kopf des hüfttief eingesunkenen Fahrers vorbei.
| Vergrößern |
Glücksgefühle im Champagne Powder, dem Pulverschnee von Colorado.

Ähnlich pulvrig, dafür aber deutlich gemütlicher geht es im Revelation Bowl zu, der sich ohne Aufstieg erreichen lässt. Der Sessellift in den etwas abgelegenen Kessel wurde erst vor einem Jahr in Betrieb genommen, um weniger geübten Variantenfahrern ein baumfreies Übungsgelände zu bieten. Ein weiterer Genuss sind die Abfahrten hinunter nach Telluride Downtown. Die Häuser des Bergarbeiterörtchens, in dem 1858 die ersten Goldvorkommen gefunden wurden, versprühen den Charme vergangener Zeiten.

Ohne Zweifel wäre schon das Telluride Skiresort alleine eine Reise wert. Beim Heliskiing wird das Abenteuer auf die Spitze getrieben. Zu Beginn muss allerdings jeder Fahrer samt Gepäck auf eine Wage steigen. Jedes Gramm, das den Hubschrauber in der Höhe unnötig belasten könnte, muss am Boden bleiben. Der Flug mit dem »Chopper«, wie die Guides ihr Lufttaxi liebevoll nennen, durch die engen Schluchten der Berglandschaft hindurch ist selbst für routinierte Heli-Passagiere etwas Besonderes.

Angst bezüglich einer technischen Überforderung muss keiner haben. Weniger erfahrene Gruppen verbringen den Tag auf breiten Hängen, für Könner haben die Guides auch Steilhänge im Repertoire. Wer den Kick sucht, kann sich daran versuchen, den vom einen oder anderen Felsen hinunter zu springen - mit garantiert butterweicher Landung natürlich.


Auskünfte

Anreise mit Lufthansa und US Airways über Denver nach Montrose. Reisen nach Telluride werden zum Beispiel vom deutschen Veranstalter Personal Scout Tours (www.personal-scout-tours.de) angeboten.

Ein Tag Heliskiing kostet ab 600 Euro, Informationen unter www.helitrax.com.

Informationen über das Capella Hotel unter www.capellatelluride.com.

 
 
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