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Blue Mountains in Kanada

Die Urlaubsregion „Blue Mountains“ an der Georgian Bay in Ontario bietet Outdoor-Vergnügen für Einsteiger

Robert Ketchin in seinem Weinberg auf den Georgian Hills.
Ursprünglich waren die „Blue Mountains“ nördlich von Toronto nur ein beliebtes Wintersportgebiet. Jetzt wird die Region an der Georgian Bay als Ganzjahresziel vermarktet. Für Aktivurlauber stehen zahlreiche Outdoor-Aktivitäten auf dem Programm, während Genießer auf dem „Apple Pie Trail“ unterwegs sind oder die lokalen Weine verkosten.
Begegnung am Ufer: Bei der Kajak-Tour auf dem Beaver River geht es gemächlich voran. Fotos: Norbert Bartnik

Die Sehnsucht nach Wildnis, die viele deutsche Touristen nach Kanada führt, kann Kristin Ellis nicht erfüllen. „Vor ein paar Jahren habe ich hier mal einen Bären gesehen, aber das ist eher die Ausnahme“, sagt die Marketingbeauftragte der Blue Mountain Village. „Wer die richtige Wildnis erleben will, muss weiter nach Norden fahren.“ Wer aber in landschaftlich reizvoller Umgebung jeden Tag ein anderes Outdoor-Erlebnis sucht, ohne die Vorzüge der Zivilisation – Hotels, Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten – zu weit hinter sich zu lassen, ist hier genau richtig.
Das „Blue Mountain Resort“ liegt an der Georgian Bay, einem Teil des Huron Sees, etwa 150 Kilometer nördlich von Toronto . Im Winter sind die von 15 Liften erschlossenen Hänge ein bevorzugtes Wochenendziel für Skifahrer aus Toronto. Der aus der Slowakei stammende Jozo Weider hatte dort schon in den vierziger Jahren eine bescheidene Lodge und einen ersten Lift bauen lassen, seither wurden die Anlagen kontinuierlich ausgebaut. Für europäische Wintersportler, die von den weitläufigen Skiarenen der Alpen verwöhnt sind, haben die sanften Abfahrten allerdings nur geringen Reiz. Neben den öffentlichen Skigebieten gibt es auch mehrere private Skiclubs mit eigenen Liften, die nach dem Muster von Golfclubs funktionieren: Die Pisten sind nur für Clubmitglieder zugänglich, Privatlehrer zeigen ihnen die perfekten Schwünge.
Unterkünfte und Abendunterhaltung findet man in der rund um einen künstlichen See angelegten „Village“, die stark an das Skidorf im westkanadischen Whistler erinnert. Das ist kein Wunder, denn Betreiber ist in beiden Fällen die Intrawest Company. Die mit einem bunten Mix von Baustilen angelegten Gebäude der Hotels, Restaurants und Boutiquen haben einen Hauch von Disneyland. Um das ursprünglich nur als Winterreiseziel vermarktete Resort ganzjährig attraktiv zu machen, werden immer neue Attraktionen geschaffen – im vergangenen Sommer zum Beispiel der „Ridge Runner“. Auf der über 1000 Meter langen achterbahnartigen Anlage saust man in zahlreichen Kurven von den Berghöhen ins Tal hinunter. Wer will, kann vor den Kurven die seitlich angebrachten Bremsen betätigen, am meisten Spaß aber macht es, wenn man in voller Geschwindigkeit ins Ziel rauscht. Wer noch mehr Abenteuer sucht, leiht sich ein Mountainbike aus und rast auf diversen gut ausgeschilderten Kursen über Stock und Stein die Hänge hinunter.

Praktische Tipps:

Die kanadische Fluglinie Air Transat fliegt von Ende April bis Oktober fünfmal wöchentlich von Frankfurt nach Toronto, Flugpreis ab 539 Euro inklusive Steuern, Auskünfte und Buchungen über Telefon 00800 872 672 88 (gebührenfrei) und unter www.airtransat.de.
Auskünfte über die Attraktionen des „Blue Mountain Resorts“ unter www.bluemountain.ca und www.bluemountainvillage.ca, über Kayaktouren unter www.freespirit-tours.com, über den Treetop-Walk unter www.sceniccaves.com und über die Scandinave Spa unter www.scandinaveblue.com.
Übernachten kann man sehr komfortabel im Westin Trillium House Blue Mountain (www.westin.com/bluemountain).
Weitere Reisetipps bei OntarioTourism, c/o Lieb Management, Telefon: 089 68906 3837, Internet: www.ontariotravel.net.


Eher gemächlich verläuft dagegen eine Kajaktour auf dem Beaver River wenige Kilometer nordwestlich von den Blue Mountains. Der Fluss hat nur ein geringes Gefälle, von Wildwasser kann hier keine Rede sein. Aber die dichten Laubwälder, die man bei der Fahrt passiert, strahlen einen besonderen Zauber aus. „Mit dem Kajak oder Kanu einen Fluss hinunterzufahren, das ist einfach das typische Kanada-Erlebnis“, sagt Jim Samis, der die Paddeltour leitet und viel über die Tier- und Pflanzenwelt der Umgebung zu erzählen weiß. Zum Beispiel über die Biber, die dem Fluss den Namen gaben. Ab und zu muss man um einen von Bibern gefällten Baum herumumpaddeln, aber Stromschnellen gibt es nicht. „Hier können die Leute einfach nur eine entspannte Tour machen und die Landschaft genießen“, sagt Jim.
Auch hier gilt das, was die gesamte Region rund um die Blue Mountains auszeichnet: Kein Stress, alles verläuft sehr relaxed, alles ist unter Kontrolle. Outdoor-Abenteuer für Einsteiger also, nichts für Wildnis-Profis, die erst richtig froh sind, wenn sie in absoluter Einsamkeit mit den Elementen ringen können.
Zum kontrollierten Outdoor-Vergnügen gehört auch ein Treetop-Walk. An Stahlseilen gesichert, geht es auf schwankenden Brettern in Höhe der Baumkronen durch den Wald. Weil man sich beim Umstecken der Sicherungshaken an den 16 Baumstationen gegenseitig helfen muss, werden diese Touren auch als Teambuilding-Seminar angeboten. Zu Beginn muss sich jeder einen „Buddy“ wählen, mit dem er die Höhen gemeinsam meistert. Dass man hierbei die Natur besonders intensiv wahrnimmt, wie in den Prospekten der Veranstalter versprochen, ist dann aber doch etwas übertrieben. Angesichts des Menschentrubels zwischen den Bäumen nehmen Eichhörnchen und Vögel lieber Reißaus. Am Ende des Treetop-Walks geht es über kleine Stahlrollen an einer Zip-Line rapide bergab, wobei manche Teilnehmer mit wilden Verrenkungen oder kopfüber ins Tal sausen. Eine amerikanische Opernsängerin, die hier ein paar Urlaubstage verbringt, findet bei der Talfahrt sogar die Muße, eine Arie anzustimmen.
„Es ist vor allem Spaß“, sagt auch Tourguide Gordon Salt. „Das ist etwas für die ganze Familie. Jeder kann es schaffen, aber es ist auch eine gewisse Herausforderung dabei.“ Nur beim Gewicht gibt es eine Teilnehmerbeschränkung. Vor Beginn des Treetop-Walks müssen alle Interessanten auf eine Waage steigen. Wer mehr als 250 Pfund wiegt, darf nicht mitlaufen, weil er bei der Talfahrt am Stahlseil möglicherweise über das Ziel hinausschießen könnte.
Einer, der in seinen späten Jahren von derlei Aktivitäten ausgeschlossen worden wäre, war Elvis Presley. Ihm ist in Collingwood, dem Hauptort der Region, jährlich ein Festival gewidmet, angeblich eines der größten Amerikas. Dann
reisen Elvis-Imitatoren aus aller Welt an, um auf diversen Bühnen Proben ihres Könnens zu geben, in den Straßen tummeln sich 70 000 alte und neue Fans, viele von ihnen mit Glitzerkostüm und Elvis-Tolle.
Für manche Einheimische ist der lautstarke Trubel dagegen ein Grund ihre Stadt zu verlassen. „Wir wohnen zwei Wohnblocks vom Zentrum entfernt, aber unser Haus hat gewackelt“, erzählt eine Frau aus Collingwood. „Immer wenn das Festival ist, fliegen wir jetzt in Urlaub nach Hawaii.“
Abgesehen vom Elvis-Revival jeweils am dritten Wochenende im Juli geht es an der Georgian Bay ruhig zu. Es ist eher eine Region für stille Genießer, die sich in den Saunaanlagen und Warmwasserbecken der „Scandinave Spa“ entspannen oder auf dem „Apple Pie Trail“ zwischen Collingwood, Thornsbury und Meaford unterwegs sind. In „Ontario’s Apple Country“ herrscht ein optimales Klima für den Obstanbau. Auf Märkten und in Spezialitätenläden werden Mameladen, Cider, Apple Pies und andere Apfelprodukte angeboten.
Relativ neu ist dagegen der Weinanbau. Robert Ketchin ist hauptberuflich für das Marketing neuseeländischer Spitzenweine in Kanada zuständig. Nebenbei betreibt er auf 17 Hektar das Weingut „Georgian Hills“. Dass das funktioniert – im Jahre 2009 gab es die erste Ernte – ist dem Mikroklima zwischen den Hängen des Niagara Escarpments und der Georgian Bay zu verdanken. „Der See konserviert im Frühjahr die Kälte des
Radtour in den Blue Mountains.
Winters und im Herbst die Wärme
des Sommers“, sagt Ketchin. „Das ist ideal für die Rebsorten, die wir hier verwenden.“ Im Vordergrund stehen Chardonnay Riesling und Pinot noir, außerdem wird ein spezieller Eiswein produziert: „Im letzten Jahr kam der Winter hier so früh, dass wir uns erst durch den Schnee kämpfen mussten, um die Trauben ernten zu können.“
Aber natürlich ist der Genuss von Apfelkuchen und kanadischem Wein nicht gerade das, was sich Touristen unter dem ursprünglichen und wilden Kanada vorstellen. Die Georgian Bay liefert dafür nur einen Vorgeschmack. „Ihr müsst eben unbedingt nochmal wiederkommen und weiter in den Norden von Ontario fahren“, sagt Diane Helinski von Ontario Tourism und macht gleich ein paar Vorschläge: „Traumhaft ist zum Beispiel Manitoulin Island weiter oben im Lake Huron. Oder der Killarney Park am nördlichen Seeufer. Und natürlich der Algonquin Park. Da gibt es Schwarzbären, Elche, Bieber und sogar Wölfe.“
Für echte Abenteurer, denen auch Naturparks noch viel zu zivilisiert sind, hat Diane noch eine weitere Empfehlung: „Dann müsst ihr unbedingt rauf an den Moose River oben an der Hudson Bay. Nach Moosonee führt keine Straße hinauf, aber eine kleine Eisenbahnlinie, der Polar Bear Express. Da oben ist die richtige Wildnis.“

 

Artikel Text Laenge: 8961

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  • 27. Januar 2012
  • Von Norbert Bartnik
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