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14. Mai 2011  | Von Ulrich Willenberg

Auf Bären-Tour in Kanada

Die pelzigen Gesellen verlieren die Scheu vor den Menschen, was stellenweise zu Problemen führt – Touristen sollten Abstand halten

 
| Vergrößern | Familienbild: In der kanadischen Provinz Alberta sind Bären im Frühsommer häufig zu beobachten. Fotos: Ulrich Willenberg


Die Geschichte ist kein Witz: Ein Bär tappt in den frühen Morgenstunden in einen Schnellimbiss nahe der westkanadischen Metropole Vancouver. Der vor sich dösende Verkäufer schreckt auf, rettet sich in einen hinteren Raum und verschließt die Tür. Derweil schnuppert der Bär an den feilgebotenen Sandwiches, findet aber offenbar keinen Geschmack daran und verlässt den Laden wieder. Das spricht nicht gerade für die Qualität der amerikanischen Imbisskette mit Tausenden von Filialen. Denn eigentlich ist der Bär ein Allesfresser und verschmäht im Allgemeinen so gut wie nichts.
In der Regel sind die mächtigen Tiere allerdings scheu und gehen Zweibeinern aus dem Wege. Doch immer mehr Straßen, Siedlungen und Campingplätze zerschneiden das Reich der Bären. Das macht die Suche nach Futter gerade im Frühjahr zu einem Hindernislauf.

BärenExkursion Bei Dertour

Im Baukastensystem von Dertour sind zahlreiche Angebote für Kanada-Reisen zu finden. Auch zwei mehrtägige Naturexkursionen zur Beobachtung von Bären und anderen Wildtieren sind im Programm. Auskünfte in Reisebüros und unter www.dertour.de.


Im Frühsommer sind Bären in der Dämmerung an den Straßenrändern recht häufig zu beobachten. Auch entlang viel befahrener Verkehrswege wie dem Trans-Canada Highway oder dem berühmten Icefields Parkway. Diese Straße in der Provinz Alberta führt durch die Rocky Mountains und gilt als eine der schönsten Bergstrecken Nordamerikas.
Tausende von Touristen sind hier unterwegs. Für viel von ihnen ist es das Größte, einen Bären in der freien Natur zu beobachten, und so geraten manche völlig aus dem Häuschen wenn sie ein Tier erspähen Oft kommt es dann zu „Bear jams“, durch Bären verursachte Verkehrsstaus.
Alltäglich wiederholen sich Szenen wie diese: Nahe dem Touristenort Jasper mampft ein Schwarzbär nahe der Straße frisches Gras und Blumen. Sofort stoppen mehrere Autos, und die Insassen gehen fotografierend auf das Tier zu. Immer wieder linst der Bär zu den näher kommenden Menschen hinüber. Dann verschwindet er genervt im Unterholz. Anick Cadieux, die im Banff National Park arbeitet.warnt vor so einem leichtsinnigen Verhalten. Bären mögen es gar nicht, wenn man ihnen zu dicht auf den Pelz rückt. Vor allem wollen sie nicht beim Fressen gestört werden, schon gar nicht wenn sie Junge haben. Bären sind unberechenbar. Schnell kann aus dem friedlich grasenden Tier ein wutschnaubender Angreifer werden.
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Badender Grizzly im Westen Kanadas. Fotot: Norbert Bartnik
Autofahrer sollten einen Abstand von mindestens 100 Metern halten und niemals aussteigen, mahnt Anick. Wanderer und Radfahrer sollten nur gekennzeichnete Wege benutzen und sich bemerkbar machen. „Lassen Sie den Bären wissen, dass Menschen in der Nähe sind“, sagt Anick. Dann hat das Tier Zeit, sich zurückzuziehen. „Viel Lärm machen und rufen, singen oder in die Hände klatschen“, empfiehlt sie.
Was aber tun, wenn es zu einer Begegnung mit einem Bären kommt? Man braucht starke Nerven, um die Ratschläge der Parkverwaltung umzusetzen: „Sprechen Sie ruhig und bestimmt mit dem Bären. Dadurch merkt er, dass Sie ein Mensch sind und kein Beutetier.“ Man sollte keinen Blickkontakt aufnehmen und langsam rückwärts gehen.
Weglaufen ist zumeist zwecklos, da der Bär kurzzeitig schneller rennen kann als ein Pferd. „Angriffe von Bären sind aber selten“, beruhigt Anick Cadieux. Viel häufiger werden Touristen von Hirschen angegriffen und verletzt.
Manchmal dringen Bären auch in Wohnhäuser ein, wenn es dort lecker riecht. Wie in der westkanadischen Kleinstadt Lillooet. Hier fühlte sich ein Tier vom Duft einer deutschen Bäckerei angezogen. Er verschlang mehrere Vollkornbrote und plünderte die Tiefkühltruhe mit den Rumkugeln. Wohl etwas angesäuselt nahm er danach noch ein Bad im Pool.


 
 
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