Am Abend des 29. Oktober, als im L'Azure-Restaurant das Dinner serviert wird, schlagen Regentropfen gegen die Scheiben und die Terrassentür fliegt krachend auf. Es weht ein kräftiger Wind, aber doch scheint alles recht harmlos. Am nächsten Morgen ist die Fensterfront eingedrückt, das direkt am Meer gelegene Lokal ist völlig verwüstet. Einige Dachelemente des Hotels haben sich aus den Verankerungen gelöst und sind auf die darunter liegenden Terrassen gestürzt. Überall liegen entwurzelte Bäume herum. Die Elektrizität ist ausgefallen. Regen peitscht gegen die Scheiben und dringt durch alle möglichen Ritzen in die Zimmer vor. Einige stehen in wenigen Minuten unter Wasser - nur gut, dass die Betten sehr hochgebaut sind. »Tomàs«, so der Name des Wirbelsturms, war von den Wetterforschern zunächst als »Tropical Storm« klassifiziert worden, über Nacht wurde er wegen der erhöhten Windstärke zum Hurrikan hochgestuft.
Wir - fünf Reisejournalisten, die die Schönheiten der Insel erkunden wollten - befinden uns im Crane-Resort an der Südostküste von Barbados, einem der ehrwürdigsten Hotels der Insel, dessen Ursprünge bis ins Jahr 1887 zurückreichen. Hurrikans gehören in der Karibik zu einer fast alljährlich wiederkehrenden Erscheinung, nicht aber auf Barbados. Der letzte wütete hier im Jahre 1955, seitdem haben die heftigsten Sturmfronten immer einen Bogen um die Insel gemacht. »Aber natürlich musste man immer damit rechnen, und wir sind darauf vorbereitet«, sagt Michael Phillips, General Manager des Crane Hotels. Zunächst gilt es, wie üblich, Ruhe zu bewahren. Um 10 Uhr ist an der Rezeption die erste Lagebesprechung. Zu diesem Zeitpunkt ist nur wenig Personal im Hotel. Die meisten Bediensteten, die in der Umgebung wohnen, konnten wegen der gesperrten Straßen nicht zur Arbeit kommen. Um so erstaunlicher, wie perfekt in dieser Lage dennoch die Organisation klappt. Auch die Gäste - US-Amerikaner, Kanadier, Briten und ein paar Deutsche - nehmen das Geschehen erstaunlich locker. Geduldig stehen sie an der Essenausgabestelle an, um das Notfrühstück im Empfang zu nehmen: Toastbrot, wegen des Stromausfalls ungetoastet, etwas Butter, ein paar Früchte. Rasch finden sich Volunteers unter den Gästen, die von Tür zu Tür gehen und das restliche Speiseeis aus der Hotelbar verteilen, das wegen des Stromausfalls zu schmelzen droht. Man kann sich ausmalen, was in einer solchen Situation in einem All-inclusive-Hotel auf Gran Canaria los wäre: Wahrscheinlich viel Gezeter und viele Reklamationen.Allmählich werden Nachrichten aus der Umgebung bekannt. Viele Straßen sind wegen umgestürzter Bäume unpassierbar, Strommasten wurden umgeknickt, viele kleinere Häuser zerstört. Für viele Einheimische ist eine Katastrophe eingetreten, mit der niemand gerechnet hat. »Barbados Battered« und »Terrible Tomàs« sind die Schlagzeilen der beiden größten Tageszeitungen der Insel am nächsten Tag. Aber zum Glück hat es keine Todesopfer gegeben. Die etwa 200 Kilometer entfernte Insel St. Lucia hat es weitaus schlimmer getroffen, hier kamen 14 Menschen ums Leben. Es regnet immer noch heftig, aber die Windböen haben etwas nachgelassen. Einige Gäste wagen sich hinaus und erkunden die Umgebung. Für die karibischen Frösche, deren Laute an Vogelstimmen erinnern, ist der Regen ein Fest. Sie zwitschern Tag und Nacht um die Wette. Am Nachmittag ist die nächste Lagebesprechung. Der Flugverkehr ist vorerst eingestellt, Gäste, die eigentlich abreisen sollten, können noch länger auf ihren Zimmer bleiben. Das Abendessen - ein improvisiertes Büfett - wird auf den Spätnachmittag vorverlegt, weil man da noch Tageslicht hat. Für die Zimmer werden Kerzen und Streichhölzer ausgegeben. Für die Kinder der Gäste hat Hotelmanager Paul Collymore noch eine Anregung: »Das, was ihr jetzt hier erlebt, ist bestimmt ein toller Stoff für euren nächsten Erlebnisaufsatz in der Schule.«Zum Glück wird am Nachmittag der »General Store« des Hotels geöffnet. Wir decken uns mit reichlich Bier, Wein und Chips ein. Eigentlich sollten wir zu diesem Zeitpunkt das bunte Nachtleben der Hauptstadt Bridgetown erleben. Stattdessen treffen wir uns am Abend in einem der Zimmer und machen bei Kerzenlicht das Beste aus der Situation.Barbados
Ein Hurrikan rast über die Karibik-Insel, aber schon zwei Tage später geht das bunte Strand- und Nachtleben weiter wie gewohnt
Im Laufe des nächsten Tages beruhigt sich das Wetter. Endlich können wir das Hotel verlassen und das tun, was schon für den ersten Tag vorgesehen war: Eine Tour mit dem Landrover quer durch die Insel unternehmen. Überall sind Aufräumarbeiten in Gang. Besonders hart hat es den Bezirk Saint Philip getroffen. In den Ortschaften liegen Glück und Unglück direkt nebeneinander. Einige Häuser sind stark zerstört, andere unversehrt. Die Bananenstauden sind fast überall abgebrochen, nur das Zuckerrohr, immer noch Hauptanbauprodukt von Barbados, zeigt sich erstaunlich stabil.Deon Straughn, gleichzeitig Fahrer und Führer, jagt den Landrover nach dem Motto »Business as usual« mit Vollgas einen schlammigen Weg hinunter, während die hinten auf den Bänken sitzenden Gäste in Kreischlaute ausbrechen. Auch ein umgestürzter Baum kann den Vorwärtsdrang nicht hemmen. Deon springt aus dem Wagen, greift zu einer Machete und hackt den Stamm durch. Mit vereinten Kräften wird das Hindernis zur Seite geräumt und die Fahrt kann weitergehen.Das dicht besiedelte Barbados (auf 430 Quadratkilometern leben knapp 300.000 Menschen) ist eigentlich kein passender Ort für Jeeptouren. Es gibt hier keine echte Wildnis mehr, also sorgt Spaßvogel Deon auch auf asphaltierten Straßen für Action, zum Beispiel indem er in einem Kreisverkehr eine doppelte Runde dreht: »That's the way we drive through a roundabout in Barbados«. Im Norden der Insel, im Pfarrbezirk Saint Lucy, gibt es dann doch noch mal eine Gelegenheit, die Geländegängigkeit des Fahrzeugs auszureizen. In wilden Kurven rast Deon an gleichmütig kauenden Kühen vorbei über eine Wiese und bremst erst kurz vor einer Steilküste ab. Weiter geht die Fahrt an einer alten Windmühle vorbei zur wilden Ostküste nach Bathsheba, wo malerische Felsen vor Traumstränden liegen. Das Baden ist allerdings wegen der starken Strömungen gefährlich. Abschluss der Inselsafari ist in der Sunbury Plantation, wo ein Büfett angerichtet ist, darunter die Inselspezialität frittierter »Flying Fish«. Das originalgetreu eingerichtete Herrenhaus dient heute als Museum, in dem man ein Gefühl für den Lebensstil britischer Plantagenbesitzer des 18. und 19. Jahrhundert bekommt. In den nächsten Tagen ist der Spuk von »Terrible Tomàs« auf Barbados dann schon gut verdrängt. Kitesurfer ziehen ihre Kreise in den Wellen vor dem »Silver Sands«-Beach, während am »Miami Beach« im Süden und den vielen Stränden der ruhigen Westküste die Familien im flachen Wasser planschen. Am schönsten freilich ist der von Felsen eingerahmte Crane Beach, der - wie alle Strände der Insel - nicht nur vom Hotel aus, sondern auch öffentlich zugänglich ist: Feiner weißer Sand, rauschende Brandung und ein Palmenhain bieten Karibikstimmung wie aus dem Bilderbuch.
Abends gibt es das übliche Programm: Im Ausgehviertel St. Lawrence Gap am Rande von Bridgetown sind alle Restaurants dicht besetzt, aus den Nachtclubs klingt Live-Musik: Reggae, Calypso und Jazz. Selbst mit guten Englischkenntnissen hat man zwar einige Mühe, den Slang der Bajans - so die Abkürzung für Barbadians - zu verstehen. Aber nach einigen Cocktails ist man sich auch ohne viele Worte einig, dass das Leben eigentlich schön ist und auf dieser Insel ganz besonders.Für Besucher, die den Sturm miterlebt haben, ist klar: Wenn man in Notsituationen die Organisation so schnell in den Griff bekommt und dabei dennoch entspannt bleibt, muss der Urlaub hier bei gutem Wetter fast paradiesisch sein. Laut Statistik besteht Hoffnung: In den nächsten 55 Jahre dürfte es auf Barbados keinen Hurrikan mehr geben.
Weitere Informationen:Anreise: Condor fliegt montags und freitags ab Frankfurt nach Barbados (ab 518 Euro).
Unterkunft: Von Edelherbergen wie »The Crane« (www.thecrane.com) bis zu einfachen Apartments gibt es auf Barbados die übliche Unterkunftspalette. Die deutsche Reisebuchautorin Uschi Wetzels betreibt das romantisch gelegene Guest House »Sea-U« in Bathsheba (Zimmer mit Küchenecke ab 129 US-Dollar, www.seaubarbados.com). Die Point-View-Apartments mit Küche, die Maureen Reid an der Südküste anbietet, sind wegen der Nähe zu Stränden wie Silver Sands für Surfer und Kite-Surfer zu empfehlen, aber auch ideal für Gäste, die einfach nur Ruhe suchen (ab 60 US-Dollar, www.barbados.org).
Abendessen: Unter der Fülle der exzellenten Restaurants auf Barbados sei eines empfohlen: Das Café Luna in der Nähe vom »Miami Beach« bietet eine große Bandbreite karibischer Fisch- und Fleischgerichte (www.littlearches.com).
Landrovertouren: www.islandsafari.bb.
Weitere Auskünfte: Barbados Tourism Authority, c/o Aviareps Tourism GmbH, Sonnenstr. 9, 80331 München, Telefon 089 2366 2170, Internet www.barbados-karibik.de.nb
Weitere Informationen:Anreise: Condor fliegt montags und freitags ab Frankfurt nach Barbados (ab 518 Euro).
Unterkunft: Von Edelherbergen wie »The Crane« (www.thecrane.com) bis zu einfachen Apartments gibt es auf Barbados die übliche Unterkunftspalette. Die deutsche Reisebuchautorin Uschi Wetzels betreibt das romantisch gelegene Guest House »Sea-U« in Bathsheba (Zimmer mit Küchenecke ab 129 US-Dollar, www.seaubarbados.com). Die Point-View-Apartments mit Küche, die Maureen Reid an der Südküste anbietet, sind wegen der Nähe zu Stränden wie Silver Sands für Surfer und Kite-Surfer zu empfehlen, aber auch ideal für Gäste, die einfach nur Ruhe suchen (ab 60 US-Dollar, www.barbados.org).
Abendessen: Unter der Fülle der exzellenten Restaurants auf Barbados sei eines empfohlen: Das Café Luna in der Nähe vom »Miami Beach« bietet eine große Bandbreite karibischer Fisch- und Fleischgerichte (www.littlearches.com).
Landrovertouren: www.islandsafari.bb.
Weitere Auskünfte: Barbados Tourism Authority, c/o Aviareps Tourism GmbH, Sonnenstr. 9, 80331 München, Telefon 089 2366 2170, Internet www.barbados-karibik.de.
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