Eine trockene Hitze liegt das ganze Jahr über der Sinai- Halbinsel. An diesem Septembernachmittag herrschen 45 Grad Celsius. Doch die gefühlte Temperatur in der felsigen Wüstenlandschaft ist noch deutlich höher. Vor uns liegt ein Anstieg von 700 Höhenmetern auf den Berg Sinai, auch als Mosesberg bekannt. Laut biblischer Überlieferung soll Moses dort die auf Steinplatten eingemeißelten zehn Gebote von Gott empfangen haben. Heute sind der Berg und das an seinem Fuße liegende Katharinenkloster zum Massenreiseziel für Pilger und Touristen geworden. Die meisten von ihnen unternehmen den anstrengenden Marsch bei Nacht, um pünktlich zum Sonnenaufgang auf dem Gipfel zu sein. Dann quält sich bisweilen eine lange Menschenschlange den Berg hinauf.
Wir – eine Gruppe von acht Reisenden – haben uns für die zweite Variante entschieden: Aufstieg am späten Nachmittag, Gipfelstimmung bei Sonnenuntergang. Auf dem Weg nach oben treffen wir nur eine kleine amerikanische Reisegruppe und ein ägyptisches Pärchen. Am Katharinenkloster, wo die befestigte Straße endet und der Aufstieg beginnt, bieten zahlreiche Kameltreiber ihre Dienste an, doch wir wollen die Tour aus eigener Kraft schaffen. Wir mieten nur ein Packkamel, dass unsere Rucksäcke mitsamt Verpflegung und Wasser trägt. Dass auch das nicht unbedingt nötig ist, bemerken wir schnell. Auf dem Weg stößt man in kurzen Abständen auf Beduinen, die in ihren aus Holz und Wolldecken errichteten Hütten Snacks und Getränke verkaufen.
Mit Beduinentüchern über Kopf und Gesicht sind wir um 15 Uhr bei glühender Hitze losgelaufen, zwei Stunden später erreichen wir die 300 Meter unterhalb des Gipfels gelegene Elija-Mulde – den Ort, an dem sich Moses angeblich aufgehalten hat. Das letzte Stück hat es noch einmal in sich. 750 Stufen führen auf den höchsten Punkt des Berges – eine echte Herausforderung. Das Kamel muss unten warten.
Keuchend und schwitzend erreichen wir schließlich die Spitze. Freundlich werden wir von den Beduinen begrüßt, die auf dem Gipfelplateau ihre Lager aufgebaut haben. Einige sprechen etwas Englisch. „Willkommen auf dem Berg Sinai! Das war doch nicht anstrengend oder?“, scherzt einer der Männer.
Wir haben es gerade noch rechtzeitig geschafft, um den Sonnenuntergang bewundern zu können. Innerhalb weniger Minuten werden die Felsformationen in ein wechselndes Farbenmeer getaucht, um dann im Dunkel zu verschwinden. Für Salah Abukalah, mit dem wir ins Gespräch kommen, ist das ein alltägliches Schauspiel. Auch er hat sich mit Wolldecken und Steinen einen kleinen Verkaufsstand gebaut und betreibt diesen seit mehreren Jahren. „Zehn Monate im Jahr bin ich hier oben. Nur im Winter, wenn es auf dem Gipfel schneit, gehe ich zurück in mein Dorf“, erzählt Salah. „Ich lebe hier, weil es für mich der schönste Ort der Welt ist“, fügt er hinzu – ein Satz, den Touristen gerne hören. Aber er trägt ihn so überzeugend vor, dass man es gerne glauben mag.
Ägypten: Schweißgebadet auf den Mosesberg
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Wir kaufen Salah ein paar Wasserflaschen und Schokoriegel ab und machen uns dann bereit für den Abstieg. Nachdem die Sonne hinter den Bergen verschwunden ist, weht ein kühler Wind über die Hochebene. Über uns blinken Millionen von Sternen. Wir ziehen unsere Pullover über und schalten die mitgebrachten Taschenlampen an. Der Abstieg in der Dunkelheit wird teilweise zu einer Rutschpartie. Feiner Sand hat sich auf die Felsen und Steine gelegt, einige Teilnehmer stolpern und stürzen.
„Ein falscher Schritt und ihr brecht euch die Knochen“, warnt der Kamelführer. Wir haben Glück und bleiben vor Verletzungen verschont. Unten angekommen, spürt man sowohl Erleichterung als auch Erschöpfung. Bewusstseinserweiternde oder spirituelle Erfahrungen, wie sie in manchen Beschreibungen dieser Expedition versprochen werden, hat allerdings keiner von uns gesammelt. Die körperliche Herausforderung kombiniert mit dem Blick auf die einzigartige Landschaft machen die Tour dennoch zu einem einzigartigen Erlebnis – insbesondere wenn man das Glück hat, sie abseits der Touristenströme unternehmen zu können.
„Ein falscher Schritt und ihr brecht euch die Knochen“, warnt der Kamelführer. Wir haben Glück und bleiben vor Verletzungen verschont. Unten angekommen, spürt man sowohl Erleichterung als auch Erschöpfung. Bewusstseinserweiternde oder spirituelle Erfahrungen, wie sie in manchen Beschreibungen dieser Expedition versprochen werden, hat allerdings keiner von uns gesammelt. Die körperliche Herausforderung kombiniert mit dem Blick auf die einzigartige Landschaft machen die Tour dennoch zu einem einzigartigen Erlebnis – insbesondere wenn man das Glück hat, sie abseits der Touristenströme unternehmen zu können.
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