Wer nicht mit einem Fischer raus fährt, wird sich zwischen den Inseln verirren. Der Nationalpark Delta du Saloum ist etwa so groß wie das Bundesland Hamburg. Das ganze Feuchtgebiet, in dem der Sine und der Saloum zusammenfließen, umfasst mehr als die doppelte Fläche. Seit 2011 ist es Weltnaturerbe der Unesco.
Die Fahrt beginnt in Ndangane im Norden des Deltas. Alpha trägt Jeans und Sonnenbrille. Sein Bruder Sekou, 11 Jahre alt, setzt sich hinten im Boot ans Steuer. Keine halbe Stunde vergeht, und er stoppt die Piroge an einer Sandbank, auf der etwa drei Dutzend Flamingos flanieren. Ein Pelikan steckt seinen Kopf ins Wasser, ein Reiher fliegt auf. Dahinter fällt vor grauen, schweren Wolken ein Regenbogen auf die Mangroven.
Ornithologen bekommen im Saloum-Delta leuchtende Augen: Die Region ist Heimat verschiedenster Wasservögel, und im Winter kommen Zugvögel aus Europa hinzu. Sekou steuert die Insel Mar Lodj an, gegenüber von Ndangane. Heute ist Gottesdienst. Frauen mit goldenen Ohrringen in bunten Gewändern fächeln sich Luft zu. Der Chor stimmt ein Halleluja an, danach folgt die Predigt. Auf Mar Lodj leben überwiegend Christen, der Senegal ist aber eigentlich ein islamisches Land. „Die Religionen respektieren sich“, erklärt Alpha.
Über dem Ozean braut sich ein Sturm zusammen. Die Piroge gleitet durch die Mangroven. „Halt deine Hand ins Wasser“, sagt Alpha. Die Finger schmecken salzig. In den Büschen liegt ein Kaiman im Wasser. Die Mangrovenwälder sind nicht nur ein wichtiges Ökosystem für viele Tierarten, sie versorgen auch den Menschen: Alpha und Sekou brechen unter der Wasseroberfläche einen Ast vom Gebüsch - Muscheln kleben daran.
Auf einer Sandbank grillen Alpha und Sekou drei Doraden. Nach dem Essen geht es zurück nach Ndanghane. „Nachts ist die beste Zeit zum Fischen“, erklärt Alpha. „Dann treiben die Krabben an die Oberfläche.“ Heute wird er aber nicht mehr rausfahren. Am frühen Abend zucken Blitze in der Ferne.
Senegal
Afrika – Das Saloum-Delta erkundet man am besten mit einem traditionellen Fischerboot
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