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16. Dezember 2011  | Von Christian Selz

Auf den Spuren der Nashörner

Namibia – Lange wurden die Dickhäuter in der Namib von Wilderern gejagt, beinahe wären sie ausgestorben – Heute streifen wieder 150 Tiere durch die Wüste

| Vergrößern | Mutter und Kind: Nashorndame Unies und ihr Junges trotten durch die Namib-Wüste. Foto: Christian Selz

In Afrika gibt es zwei Arten von Nashörnern. Das Spitzmaulnashorn ist das kleinere, aber auch aggressivere. Fühlt es sich bedroht, rennt es weg – oder geht mit dem Horn voraus zum Angriff über. Das kann für Menschen tödlich enden. Martin Nawaseb scheint das nicht zu beeindrucken.
„Das letzte Mal vor zwei Wochen“, antwortet der Teamleiter einer Forschungsgruppe auf die Frage, ob er jemals vor den Tieren fliehen musste. Den drei Touristen bleibt beinahe der Mittagssnack im Halse stecken. Sie waren gerade mit ihm zu Fuß unterwegs – auf den Spuren der größten frei lebenden Nashorn-Population der Welt.
Rund 150 der störrischen Kolosse bewegen sich heute wieder im Nordwesten Namibias, überwacht vom Save the Rhino Trust (SRT), Nawasebs Arbeitgeber. Der Organisation verdanken die Tiere ihr Überleben. Dürreperioden hatten den einheimischen Völkern der Herero, Himba und Damara Vieh und Nahrungsgrundlagen genommen, als von den 1970er Jahren an gleichzeitig Schmuggler in die Gegend kamen und einfache Hilfe anboten: Geld und Essen für Hörner und Elfenbein. Zuletzt streiften nur noch 50 Nashörner durch die Wüste. SRT stellte schließlich Wilderer als Wildhüter ein und bot den Menschen eine nachhaltige Alternative zum kurzlebigen Profit des Nashorngemetzels. Seitdem hat sich der Nashornbestand verdreifacht – und mit den Tieren kamen die Touristen.
Früh am Morgen steht Nawasebs Kollege Denson Tjiraso auf der Ladefläche des klapprigen Jeeps und hält Ausschau. In sechs Kilometern Entfernung macht er die Nashörner schließlich auf einem Bergkamm aus. Unies, die Nashorndame, ist wach. Normalerweise pirschen sich die Forscher nur an ein Nashorn pro Tag heran, um die Tiere so wenig wie möglich zu stören. Heute sind es zwei: Unies hat ein Junges. Nach ein paar Minuten traben die beiden an einen ungestörteren Ruheplatz weiter. Sie haben es auch den Forschern zu verdanken, dass es solche Orte für sie noch gibt.

 
 
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