Der erste Eindruck auf der Einfallstraße von El Jadida ist geprägt vom Stern aus Stuttgart. Massenhaft Autos der Marke Mercedes Benz, die vor rund zwanzig Jahren vom Band liefen und irgendwann von Deutschland nach Afrika verschifft wurden. Gepflegte Limousinen der unverwüstlichen Baureihen W201 (190er, Baby-Benz genannt) und W124 (erste E-Klasse) bestimmen ebenso das Straßenbild wie stark herunter gerittene Exemplare. Doch die quirlige marokkanische Stadt an der Atlantikküste mit ihren rund 130 000 Bewohnern ist natürlich nicht für Autos bekannt - sondern als Weltkulturerbe.
Dieser Titel wurde El Jadida (wörtlich: Die Neue) von der Unesco im Jahr 2004 verliehen. Die gut erhaltene Altstadt wird von einer massiven Festungsanlage geschützt, die anno 1506 von den Portugiesen errichtet wurde, um den Hafen gegen Angreifer zu verteidigen. Dies gelang immerhin bis 1769, ehe die Portugiesen von Truppen marokkanischer Sultane und Berbern vertrieben wurden. Viele der damals 5000 Einwohner der Altstadt (heute sind es noch circa 2000) wanderten nach Brasilien aus. Erst Ende des 19. Jahrhunderts kam es zur Neugründung als El Jadida. Minarette und die Maria-Himmelfahrtskirche zeugen von der wechselhaften Geschichte, in der auch Spanier mitmischten.Der Einfluss der ehemaligen Besatzer ist auch heute noch an einigen Stellen zu erkennen, zum Beispiel in der Rue Portugaise. Als wichtigste Sehenswürdigkeit hinterließen die Portugiesen eine 33 mal 34 Meter große unterirdische Zisterne, die über hundert Jahre verschüttet war und erst im Jahr 1917 bei Bauarbeiten zufällig wieder entdeckt wurde. Sie diente zunächst als Waffen- sowie Warenlager und später als Trinkwasserspeicher. An den mächtigen Pfeilern des Gewölbekellers lässt sich noch erkennen, wie hoch das Wasser damals stand. Durch eine große Öffnung in der Mitte wurde das Regenwasser aufgefangen, das heutzutage wieder abgepumpt wird, um den Verfallsprozess dieses öffentlich zugänglichen Bauwerks zu verlangsamen. Einheimische nennen El Jadida auch das Deauville von Marokko in Anlehnung an das französische Seebad. Im Sommer ist der feinsandige Strand am Stadtrand gut belegt, viele Tagestouristen aus dem 80 Kilometer entfernten Casablanca reisen an, um ein Bad im Atlantik zu nehmen. Der junge König Mohammed VI, einer der reichsten Männer der Welt, hat den „Plan Azur“ ausgerufen, der das Ziel hat, die Touristenzahlen zu verdoppeln und Investoren ins Land zu bringen. Für eine Woche Ende Oktober ist El Jadida ein Mekka für Pferdefreunde aus aller Welt. Vor drei Jahren hat der König die Pferdemesse „Salon du Cheval d'El Jadida“ ins Leben gerufen.Mächtige Festungen aus portugiesischer Zeit
El Jadida - In der zum Weltkulturerbe zählenden marokkanischen Hafenstadt erinnert noch viel an die wechselhafte Geschichte - Der feinsandige Strand am Stadtrand ist ein beliebtes Touristenziel
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Ein weiterer Teil des Plan Azur ist der unweit von El Jadida direkt am Strand gelegene Hotelkomplex Mazagan Beach Resort), der im Stil eines Grand Riad errichtet wurde. Ein Riad ist ein traditionelles Haus oder ein Palast mit einem freiliegenden Innenhof beziehungsweise inneren Garten. Was ein kleineres Riad kennzeichnet, lässt sich in El Jadida im äußerlich unscheinbaren Hotel Royal Andaluz besichtigen. Das 1947 errichtete Hotel besticht durch seine aufwendigen Mosaikarbeiten und Reliefs in bis zu acht Meter hohen Räumen. Es wird oft für Festlichkeiten genutzt. Eine Oase der Ruhe in einer Stadt, in deren Straßenverkehr eine gut funktionierende Anarchie herrscht.
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