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20. November 2010 Von Michael Fritz

Nil-Kreuzfahrt

Auf dem Nassersee zwischen Assuan und Abu Simbel regiert die Ruhe - Keine Angst vor Krokodilen und Durchfall

| Vergrößern | Tempel am Nassersee. Vom Kreuzfahrtschiff aus bringen kleine Boote die Touristen zu den Ufern. Foto: Michael Fritz


Es muss nicht immer das Tal der Könige sein. Auch wenn jeder Reiseführer von der »sagenhaften Schönheit mit Sanddünen fast bis zum Nilufer gegenüber von Luxor« spricht. Auch wenn der weltberühmte Kinderpharao Tutanchamun seine letzte Ruhestätte hier hat und das Tal »eine Pflicht bei jeder Ägyptenreise« ist - wir lassen diesen Landstrich einfach links liegen, denn wir haben etwas noch Besseres: Während sich nämlich bei der klassischen Nilkreuzfahrt zwischen Luxor und Assuan 300 Schiffe aller Preisklassen und damit auch die Menschenmassen tummeln, steigen wir erst hinter Assuan ein: Mit einer viel exklusiveren Kreuzfahrt gleich hinter dem gleichnamigen Staudamm. Der Nil weitet sich südlich dieses Damms zum Nassersee aus, einem regelrechten Meer, das bis in den Sudan reicht. Die Route ist aber ebenso reich an Kulturdenkmälern und gipfelt im Tempel von Abu Simbel.

Nur eine Handvoll Kreuzfahrtschiffe sind auf dem Gewässer unterwegs, daneben noch zwei Fähren und wenige Militärschiffe. Wir reisen vier Tage auf dem Fünf-Sterne-Kreuzer »Jaz Omar El Khayam« und genießen dort neben der Kultur auch eine gewisse Abgeschiedenheit mit Wellness-Faktor. Von Zeit zu Zeit geht das Schiff an einem berühmten Tempel vor Anker. Die Passagiere lassen sich dann mit kleinen Beibooten ans Ufer bringen. Das Schiff ist 113 Meter lang, 17 Meter breit und hat nur einen Tiefgang von 2,60 Meter. Es gibt 68 Doppelkabinen mit Balkon (24 Quadratmeter), acht Luxus-Suiten (35 Quadratmeter) und vier Königssuiten mit 70 Quadratmeter. Auf sechs Deck-Ebenen kann der Urlauber ins Restaurant, ins Café, in die Wellnessoase und vor allem ans Oberdeck mit Swimmingpool gehen.

Was für Ägypten aber viel wichtiger ist: Durchfall ist auf dem Schiff nicht zu befürchten. »Eiswürfel werden mit Mineralwasser gemacht, auch alles Gemüse und Obst wird nur mit Mineralwasser gewaschen«, bekräftigt der Schiffs-Chef bei jeder Gelegenheit. »Außerdem reinigen wir die Küche fünf Mal täglich. Wer hier noch Durchfall bekommt, der hat einfach zu lange in der Sonne gelegen.«

Dass im See mehrere zehntausend Krokodile schwimmen sollen, interessiert die Passagiere nur am Rande. Bei Ausflügen an Land halten Kameltreiber und versprengte Ureinwohner den Touristen gegen Bezahlung einige Mini-Reptilien unter die Nase. Ein fünf Meter langes »Nasser Croc« lasse sich gelegentlich an einer Anlegestelle blicken, wird noch gemunkelt. Wir aber bekommen es nicht zu Gesicht. Und überhaupt: »Krokodile nehmen Reißaus beim kleinsten Geräusch, sie haben Angst vor den Menschen.« Damit ist das Kapitel beendet.

Nicht an die große Glocke gehängt wird auch die Entstehung des Nassersees vor einem halben Jahrhundert. Der Bau des Hochdammes überflutete damals den fruchtbaren Landstrich Nubien. Viele Menschen verloren ihre Heimat. Während offiziell von 60 000 die Rede ist, die nach Kom Ombo umgesiedelt wurden, spricht ein nubischer Ureinwohner, der heute Touristen herumführt, hinter vorgehaltener Hand von 200 000 Betroffenen. Proteste habe es damals aber nicht gegeben.

Immerhin hatte die Welt in letzter Sekunde auch noch die alten nubischen Schätz zu retten. Die Fluten hätten nämlich unter anderen den Tempel von Abu Simbel überspült. 1959 bat die ägyptische Regierung die Unesco um Hilfe. Mehr als 20 Länder, darunter Deutschland, packten daraufhin an. Sechzehn Tempel wurden in unglaublicher Feinarbeit abgetragen und an den höherer gelegenen Ufern wieder aufgebaut. Die Rettungsaktion für die beiden Tempel von Abu Simbel dauerte von 1964 bis 1968. Knappe 70 Höhenmeter oberhalb des ursprünglichen Standortes wurde Abu Simbel originalgetreu wieder aufgebaut. Die Ausrichtung zur Sonne blieb erhalten - und damit auch das zweimal jährlich wiederkehrende Sonnenwunder.


Praktische Tipps

Die beste Reisezeit ist von Oktober bis März. Kreuzfahrten auf dem Nassersee und dem Nil sowie Abstecher nach Kairo inklusive Pyramiden sind als Paket bei Viking-Tours buchbar. Das Schiff »Jaz Omar El Khayam« gehört dem ägyptischen Touristikkonzern Travco und ist unter anderem auch bei TUI im Programm. Für Flüge ab Frankfurt und innerhalb Ägyptens empfiehlt sich Egyptair.

Weitere Hinweise beim Ägyptischen Fremdenverkehrsamt Frankfurt, 069 252153 oder www.egypt.travel. Empfehlenswerte Fünf-Sterne-Hotels in Kairo sind das Sofitel Cairo El Gezirah und das Kempinski Nile Hotel Garden City Cairo.

 
 


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