
|
|
Kleines Paradies: Skander Zeribi führt die Besucher durch den Obst- und Gemüsegarten seines Landguts „Dar Zaghouan“, in dem er auch ein Öko-Hotel betreibt. Fotos: Lutz Heider
Programme wie »Ferien auf dem Bauernhof« oder »Unser Dorf soll schöner werden« sind auch jenseits der deutschen Grenzen populär. Dennoch hätten wir nicht unbedingt vermutet, Vergleichbares ausgerechnet in Tunesien anzutreffen. Ein langohriger, blauer Wüstenfuchs im Stile einer Comicfigur von Walt Disney mahnt in vielen Gemeinde zu mehr Umweltschutz. Labib, so heißt der Fuchs, ist auf Plakaten oder als plastische Figur überall im Land präsent. Agrartourismus ist ein Trend auf der nordtunesischen Halbinsel Cap Bon, die am Golf von Tunis gegenüber der italienischen Insel Sizilien liegt.
Seit einigen Jahren tut sich in Sachen Umweltschutz viel in Tunesien. Es ist zwar noch ein weiter Weg, bis auch im Landesinneren Verhältnisse am Wegesrand herrschen, die an das mitteleuropäische Verständnis von Sauberkeit heranreichen. Aber das arabische Land unter dem seit 1987 regierenden Staatspräsidenten Zine el-Abidine Ben Ali - er schuf 1992 das erste Umweltministerium in der arabischen Welt - hat offenbar die Zeichen der Zeit erkannt. So wie der Besitzer des Öko-Hotels »Dar Zaghouan« nähe des Örtchens Zaghouan - jeweils rund 45 Minuten mit dem Auto von Tunis oder Hammamet entfernt.
Skander Zeribi (49) ist ein klassischer Aussteiger. Als Banker gelang ihm noch vor der Weltwirtschaftskrise der Absprung, um sich wie einige seiner Vorfahren der Landwirtschaft zu widmen, und zwar einer ökologischen. Vor drei Jahren erwarb er ein 300 Hektar großes Gelände mit einem verlassenen Bauernhof, auf dem er sich nach umfangreichen Umbauarbeiten mit 20 Angestellten neben dem Anbau von Gemüse und Obst auch der Beherbergung von Gästen widmet.
Neun im traditionellen tunesischen Stil eingerichtete Zimmer warten ebenso auf Gäste wie vier lokale Guides, mit denen sich die Umgebung (zum Beispiel auf Pferden oder Eseln) erkunden lässt. Mit viel Liebe fürs Detail wurden die teils großzügigen Räume gestaltet. »Sie erzählen die Geschichte von Zaghouan«, erklärt der Hoteleigner. Das Wasser für den Swimmingpool kommt aus einer 40 Meter tiefen Brunnenbohrung, mit der die Zaghouan-Quelle angezapft wird, von der aus zur römischen Zeit das Trinkwasser über Aquädukte bis ins 60 Kilometer entfernte Karthago floss. Die Röhren sind heute noch am Anwesen von »Dar Zaghouan« zu besichtigen. Und sie führen immer noch Wasser.
Skander Zeribi bastelt schon an einem neuen Projekt. Angrenzend an sein Areal hat er 30 Hek
tar angekauft, auf dem zwanzig Chalets entstehen und medizinische Heilpflanzen im großen Stil angebaut werden sollen. Das Hauptgebäude steht bereits.
Noch keine Idee für eine originelle Hochzeitsreise? Hier ist eine. In Ksar Ezzit heißen die Chalet Villas. Hier wird von einer vermögenden tunesischen Familie Agrartourismus auf die luxuriöse Art offeriert, inspiriert vom amerikanischen Lodge-Stil. Mit 440 Hektar und 55 000 Bäumen ist das Landgut eine der größten Olivenplantagen Tunesiens.
Der Öko-Gedanke geht hier so weit, dass zur Erntezeit im November kein benzinbetriebenes Fahrzeug das Gelände nahe des Dörfchens Jougar (gut eine Autostunde von Tunis entfernt) durchfahren darf. Das Gut, auf dem auch viele Tiere ihr Zuhause haben, gewinnt in Tunesien als einziges Olivenöl aus zertifizierten wilden Ölfrüchten. Einzigartig sei auch der Honig aus traditionell handgeflochtenen Bienenstöcken. Völlig auf den Einsatz von Chemikalien wird beim biologischen Schwimmteich verzichtet. Die Wasserqualität wird über die Pflanzen sichergestellt.
Die komfortablen Ferienhäuser mit Wohnflächen zwischen 70 und 400 Quadratmeter widmen sich unterschiedlichen Baustilen. Die Villa M'aâmra beispielsweise ist ein klassisches nordafrikanisches Lehmgebäude (190 Euro für zwei Personen pro Nacht). El Ksour de Tataouine soll mit seiner gelben Farbe an die Sahara Südtunesiens erinnern. Dieses zweistöckige Wüstenhaus mit 110 Quadratmetern Wohnfläche wurde mit zahlreichen Kunstgegenständen aus dem Süden des Landes ausgestattet. Kurzum: Ein Traum. Mit 460 Euro pro Übernachtung für vier Gäste allerdings auch nicht ganz billig; dafür immerhin mit Vollpension.
Auch die körperliche Ertüchtigung muss bei allem Komfortgedanken nicht zu kurz kommen. Auf Wunsch können die Gäste auf der Olivenplantage mit anpacken, rund zwanzig Kilometer Trekkingpfade abwandern oder auf Eseln, Pferden beziehungsweise Fahrrädern (alles inklusive) die malerische Gegend mit Blick in ein großes Tal erkunden.
Für den Ökotrend bei Luxushotels steht das nagelneue »The Russelior« in Yasemine Hammamet, einer Stranddestination in der Nähe des besonders bei Deutschen beliebten Ferienortes. Benannt ist es nach der Russelia-Pflanze, die in Nordtunesien nur in intakter Natur vorkommt. Es ist gleichzeitig das erste Nichtraucherhotel in Tunesien. Auch nach alkoholischen Getränke wird man in der Bar vergeblich fragen, worüber frisch gepresste Säfte und Mineralwasser aus aller Welt hinwegtrösten sollen. Eine deutsche Firma hat die Solaranlage gebaut, die zwanzig Prozent der Energie liefert. Der Energiebedarf insgesamt soll 65 Prozent unter dem eines vergleichbaren Großhotels liegen.
Der opulente Poolbereich des Fünf-Sterne-Hotels, das eine Aufnahme in den Verbund »Leading Hotels of the World« anstrebt, wird von 2200 Palmen umsäumt. 224 Zimmer und 13 Suiten warten ab dem 6. November auf Gäste, die sich vom Flughafen gegen Aufpreis stilgerecht mit deutschen Luxuslimousinen abholen lassen können. Was daran ökologisch ist, wird sich mancher fragen. Nun, bei den Nobelkarossen handelt sich um die Mercedes-S-Klasse Blue Hybrid, die mit ihrem partiellen Elektroantrieb und einem CO2-Ausstoß von 190 Gramm pro Kilometer so sauber ist wie kaum ein anderes Modell in diesem Segment.
Praktische TippsÖkohotels in Tunesien: Domaine Ksar Ezzit, Jougar-Fahs, Telefon 00216 72263000, Fax 00216 260260, Internet
www.ksar-ezzit.com.
Dar Zaghouan, Route de Mograne Rouaiguia, 1100 Zaghouan , Telefon 00216 2430909, E-Mail
darzaghouan@gmail.com.
Hotel »The Russelior«, Yasemine Hammamet 8040, Telefon 00216 72245000, , E-Mail
info@therusselior.com, Internet
www.therusselior.com.
Weitere Auskünfte: Fremdenverkehrsamt Tunesien, Bockenheimer Anlage 2, 60322 Frankfurt , Telefon 069 13383517, E-Mail
FVATunesien@aol.com
Dieses Thema kann nicht kommentiert werden.