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Fels von Lindenfels ist neue Attraktion
Lindenfels: Der vom Burgberg in den Kurgarten gerollte Felsblock ist zu einer neuen Besucherattraktion des Kurortes geworden
Normalerweise ist der Katastrophentourismus eine widerwärtige Zeiterscheinung. Als sich (wie in unseren Lokalausgaben ausführlich berichtet) am frühen Morgen des 25. November ein massiver Felsblock direkt unterhalb des Lindenfelser Burgbergs aus dem Gestein löste und den Abhang bis in den Kurgarten hinunterpolterte, war das alles etwas harmloser und hat Lindenfels überdies eine neue Besucherattraktion beschert. So kann denn ein Ausflug zum Bestaunen des kuriosen Monuments guten Gewissens empfohlen werden, zumal die Stadt auch abseits des Steines immer einen Besuch wert ist. Auf über 20 Tonnen wird das Gewicht des drei Meter hohen Granitbrockens geschätzt, der zwei massive Mauern durchbrach und auf einer Terrasse nur wenige Zentimeter vor einer überdachten Pergola zur Ruhe kam. Man kann sich gut vorstellen, was passiert wäre, wenn er nur etwas mehr Schwung gehabt hätte und über den Rand der Terrasse hinausgerollt wäre. Das hätte zu schweren Schäden an dem einen oder anderen Gebäude in der Altstadt geführt. Zum Glück liegt der Felsblock nun stabil an einem Platz, wie er dekorativer kaum sein könnte. Fast wirkt es so, als hätte er sich selbst ins Rampenlicht gerückt. Viele Schaulustige, Einheimische und Auswärtige, kamen in den vergangenen Wochen hierher, um sich vor dem Klotz ablichten zu lassen.Natürlich gibt es bei der Stadtverwaltung schon Überlegungen, was weiter mit dem Stein geschehen soll. Da es ohnehin schwerfallen würde, ihn abzutransportieren, gilt als sicher, dass man ihn am jetzigen Ort belässt. Wobei das ein guter Anlass wäre, um die Pergola mit dem hässlichen Wellplastikdach zu entsorgen, was die Wirkung des Felsens deutlich erhöhen würde. Eine kleine Infotafel soll erklären, was am 25. November 2009 geschehen ist. Nur auf eine Multimediainstallation wird man wohl verzichten müssen. Keine Handykamera, keine Webcam hat das dramatische Geschehen aufgezeichnet. Verglichen mit den Erdverschiebungen, die man derzeit in dem Katastrophenfilm ,,2012" im Kino bestaunen kann, ist das Ereignis in der Odenwaldstadt zwar nur bescheiden. Aber auch der rollende Stein von Lindenfels beweist, dass die Welt in Bewegung ist.Wer die Lindenfelser Burg besichtigen will, kommt derzeit unweigerlich an dem Granitblock vorbei, weil man den Umweg durch den Kurgarten nehmen muss - die Burgstraße ist wegen der Zerstörungen gesperrt. Die im Jahre 1080 erstmals urkundlich erwähnte Burg diente zahlreichen Herren als Sitz, unter anderem dem Pfalzgrafen Konrad von Staufen und Heinrich dem Welfen, einem Sohn Heinrichs des Löwen. Im Zuge der jahrhundertelangen kurpfälzischen Herrschaft wurde die Burganlage ausgebaut und verstärkt. Sie überstand auch die wechselnden Besetzungen während des Dreißigjährigen Krieges weitgehend unbeschädigt. Nicht militärische Eroberer, sondern örtliche Bürokraten leiteten schließlich den Niedergang ein. Auf Betreiben der Amtsleute wurde die Burg als Steinbruch freigegeben und großenteils zerstört. Die Steine verwendete man für diverse Neubauten in der Stadt. ,,So ist Burg Lindenfels, die einst der Stolz eines angesehenen Fürstengeschlechts war und in ihrem wuchtigen Aufbau durch Jahrhunderte gegen jeden Feindangriff erprobt, einem Zeitgeist berechnender Profitsucht zum Opfer gefallen", beklagt Cläre Mehs-Luthmer in ihrer Burggeschichte.
Erst Ende 19 Jahrhunderts wurden die Reste der Anlage gesichert und im Zuge der neuen Mittelalterbegeisterung zur touristischen Attraktion. Und so kann man denn vom Wehrgang aus den Blick auf die Stadt und die Höhenzüge des Odenwaldes genießen und einigermaßen sicher sein, dass die Festung noch einige Zeit an ihrem gewohnten Platz verbleiben wird.
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