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30. Dezember 2011  | Von Norbert Bartnik

Badepalast in Bad Wildbad

Bad Wildbad – Der Kurort im Nordschwarzwald besitzt eine der schönsten Thermen Europas – Entspannung in nostalgischer Atmosphäre unter dem Glashimmel

| Vergrößern | Fast so wie in Granada: Die Maurische Halle im Palais Thermal. Foto: Staatsbad Wildbad

Beim ersten Besuch kann es schon mal zu einem kleinen Beziehungsdrama kommen. „Einmal kam eine Frau zu uns und sagte, ihr Mann sei verschwunden, ob man denn nicht eine Durchsage machen könnte“, erzählt eine Mitarbeiterin des Palais Thermal in Bad Wildbad. In dem verwinkelten Badepalast mit seinen zahlreichen Badenischen verliert so mancher anfangs die Übersicht. Aber nach einem längeren Rundgang durch den Badetempel fällt die Orientierung dann doch ganz leicht. Auch der verlorene Ehemann fand sich schon bald wieder an, ohne dass eine Suchaktion nötig wurde.
Die vielen ruhigen Winkel sind die Besonderheit dieses traditionsreichen Hauses. Hier gibt es nicht zwei oder drei große Becken wie in anderen Thermalbädern, sondern viele kleine. Die sogenannten „Fürstenbäder“ sind nur für zwei Personen gedacht, während das „Große Herrenbad“, in dessen Mitte eine Nachbildung von Thorvaldsens „Venus“-Statue steht, und die beiden „Frauenbäder“ mehr Raum bieten. Die Bezeichnungen stammen noch aus dem 19. Jahrhundert, als die Besucher nach Stand und Geschlecht getrennt wurden. Heute baden Männer und Frauen gemeinsam – und das wahlweise mit Badebekleidung oder unverhüllt. Nacktheit harmoniert ja nicht immer mit ästhetischen Vorstellungen, also ist es gut, dass hier kein FKK-Zwang besteht. Beim Bummeln durch die ehrwürdigen Gänge trägt man ohnehin Bademantel oder Badetuch. Nur in der Saunalandschaft gilt das Gebot der Textilfreiheit.
Das Palais Thermal gilt als eines der schönsten Thermalbäder Europas. Ein kleines Museum neben dem „Herrenbad“ informiert über die Badekultur der Vergangenheit. Schon im Mittelalter befand sich an gleicher Stelle ein Badehaus. Adlige Gäste suchten dort Linderung von diversen Gebrechen, aber man dachte auch an die weniger Begüterten. Im „Armenbad“, das mit dem Abwasser der Fürstenbäder gespeist wurde, durfte sich das gemeine Volk tummeln.

Anreise und Öffnungszeiten

Anreise nach Bad Wildbad über die Autobahn A5 Richtung Karlsruhe, weiter über die A8 Richtung Stuttgart, Abfahrt Pforzheim-West, von dort aus beschildert (ab Darmstadt etwa 150 Kilometer).
Das Palais Thermal ist Montag bis Freitag von 12 bis 22 Uhr, am Wochenende und an Feiertagen sowie in den Weihnachtsferien bis 8. Januar von 10 bis 22 Uhr geöffnet. Beim „Klangwassercocktail“ jeden dritten Freitag im Monat (nächster Termin am 20. Januar) sind Therme und Sauna bis 24 Uhr geöffnet.
Die Tageskarte kostet 23 Euro, die Vierstundenkarte 17 Euro. Weitere Hinweise über Telefon 07081 3030 sowie im Internet unter www.palais-thermal.de und www.klangwassercocktail.de. Kinder sind erst ab zwölf Jahren zugelassen. In der 300 Meter entfernten Vital-Therme gibt es keine Altersbeschränkungen.


Nach Plänen von Nikolaus von Thouret wurde 1847 das mit zahlreichen Becken ausgestattete Graf-Eberhard-Bad errichtet, benannt nach dem württembergischen Grafen Eberhard II., den Ludwig Uhland in seiner Ballade „Der Überfall im Wildbad“ gewürdigt hat. „Ins Wildbad will er reiten, wo heiß ein Quell entspringt, / Der Sieche heilt und kräftigt, der Greise wieder jüngt“, heißt es da.
Der greise Graf muss sein Bad aber vorzeitig abbrechen, weil sich feindliche Ritter nahen, die ihm nach dem Leben trachten. Vom Heilwasser gestärkt und mithilfe eines treuen Hirten, der ihn ein Stück trägt, gelingt es ihm, über die Berge zu fliehen. Später lässt er dann – so die Legende – den Quell mit Mauern einfassen, „damit in künft’gen Sommern sich jeder greise Mann / von Feinden ungefährdet, im Bade jüngen kann.“
Ende des 19. Jahrhunderts bekam das Bad seine bis heute prägende Jugendstilgestaltung. Nach einer weiteren Renovierung und dem Anbau einer Saunalandschaft wurde es 1995 als Palais Thermal neu eröffnet. Die glorreiche Vergangenheit ist überall präsent. Während man sich in dem heilkräftigen Wasser erquickt, schweift der Blick über Säulen und bunt schillernde Fenster hinauf zu den Glasrosetten an der Decke. Das Licht ist ebenso gedämpft wie die Stimmen der Besucher. Mitunter herrscht unter dem Glashimmel eine geradezu sakrale Atmosphäre.
An die Paläste Andalusiens fühlt man sich in der „Maurischen Halle“ erinnert. Die einstige Empfangshalle mit dem Brunnen im Mittelpunkt und den Ornamenten an der Decke und auf dem Fußbodenmosaik dient heute als Caféteria und als Ruheraum.
Während man im 19. Jahrhundert schon zufrieden war, wenn man in geselliger Runde in einem der Bäder planschen konnte, erwartet der heutige Gast zusätzlich diverse Schwitzkammern mit unterschiedlicher Temperatur und Beduftung sowie moderne Wellnessanwendungen. Die über Innen- und Außentreppen erreichbare Saunalandschaft bietet neben den finnischen Varianten auch eine Dampfsauna, eine Zirbelsauna und eine Meditationssauna mit sanfter Musikberieselung. Im Obergeschoss befindet sich auch das „Blaue Bad“, ein weiteres Thermalbecken, das zwar nicht die nostalgische Aura der Anlagen im alten Teil hat, dafür aber mehr Platz bietet. Im Wellnesstrakt werden diverse Massagen und Entspannungsbäder mit duftenden Essenzen angeboten.
Die jüngste Attraktion befindet sich noch eine weitere Etage höher. Hier lädt seit Mitte Dezember das neue Panoramadeck mit Außenthermalpool und Panoramasauna zum Besuch ein. Von der Sprudelliege aus genießt man den Blick über die Dächer des Kurortes.
Höhepunkt des Entspannungsreigens ist jeweils am dritten Freitag im Monat, wenn die Wasser-Shiatsu-Experten im „Blauen Bad“ einen „Klangwassercocktail“ mixen. Am Beckenrand flackern Kerzen, Musiker sorgen mit Klangschalen und Didgeridoos für mystische Stimmung. Die Besucher treiben im warmen Wasser, zwischendurch gibt es Massageeinheiten. Besser kann man dem Alltag kaum entfliehen.

 
 
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